Neue Graffiti / Hausbesitzer schimpfen / Ideen werden geprüft

Das Schmieren geht weiter in Salzwedel

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Noch sind längst nicht alle alten Schmierereien beseitigt, schon kommen neue hinzu: Vor einigen Tagen wurde die städtische Säule am Rathausturmplatz verschandelt.

Salzwedel. „Wir werden von der Stadt im Stich gelassen“, macht Iris Marciniak ihrem Ärger Luft. In großen Buchstaben steht „NSA“ auf der Fassade ihres Kosmetiksalons an der Bocksbrücke. Als Schmierer in der Nacht zum 3. Oktober durch die Innenstadt zogen, war sie mit ihrem Mann im Urlaub. Wieder zurück, meldete sie das Problem im Ordnungsamt und bat um Hilfe.

Die Salzwedeler möchten die Fassade auf eigene Kosten streichen lassen, wollten aber die schwarze Schrift mit dem städtischen Spezialgerät „Tornado“ entfernen, da sie sonst „durchschimmern“ würde. Zunächst gab es Hoffnung. „Ich wurde gefragt, was genau auf der Fassade steht. Anschließend hieß es, die Stadt werde das beseitigen“, erinnert sich die Unternehmerin. Doch nichts passierte. Iris Marciniak fragte nach und wurde vertröstet. In dieser Woche meldete sie sich erneut im Ordnungsamt und ihr wurde gesagt, dass es sich nicht zweifelsfrei um ein verbotenes Symbol handeln würde, da „NSA“ auch für den amerikanischen Geheimdienst stehen könnte. Die Marciniaks müssten sich deshalb selbst um die Beseitigung kümmern. Die Stadt sei nämlich nur dazu verpflichtet, verfassungsfeindliche Schmierereien entfernen zu lassen. Das bringt auch Hans Marciniak auf die Palme: „Dann könnte ja jede Buchstabenkombination anders gedeutet werden.“

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Schmierereien immer noch täglich im Blick

Auch im Ausschuss für Stadtmarketing, Tourismus und Kultur ging es Montagabend um die Schmierereien in der Stadt. Einig war man sich, dass etwas unternommen werden müsse. Marketingamtsleiter Olaf Meining wies aber auf „ein rechtliches Definitionsproblem“ hin, wonach die Stadt eben verpflichtet ist, eindeutig verfassungsfeindliche Symbole zu entfernen. Ansonsten dürfe die Stadt an Privatwänden nicht einfach so tätig werden. Und: Der „Tornado“ funktioniere nur an Hauswänden, die nicht gedämmt sind.

Die Verwaltung soll nun einen Maßnahmenkatalog erstellen und die Vorschläge aus dem Ausschuss prüfen. Diese reichten von einer Telefon-Hotline und einen daran angekoppelten Bereitschaftsdienst zum Beseitigen der Schmierereien bis zu härteren Strafen für Sprüher und Flächenbereitstellungen für Kunst-Graffiti.

Von Birte Grote und Christian Ziems

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