Miniaturweltler haben den Blick fürs Detail / Modelle mit viel Liebe entstanden

Schlossruine in vier Monaten gebaut

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Schlossherrin Cornelia Wurg mit ihrer Tylsener Schlossruine, an der sie seit Februar arbeitet, und die sie Stein für Stein zusammengesetzt hat.
  • Holger Benecke
    VonHolger Benecke
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Während in Tylsen mit dem zweiten Bauabschnitt zur Sicherung der Schlossruine noch nicht begonnen worden ist, ist das entsprechende Modell fast fertig. Seit Februar hat Cornelia Wurg mit viel Liebe zum Detail, Genauigkeit und einem Hang zur Präzision in den Salzwedeler Miniaturwelten an ihrer Tylsener Schlossruine gearbeitet.

Der Spielplatz in Kemnitz: Die Miniaturweltler haben einen Blick für interessante Bauten, die sie nachbauen.

Salzwedel - „Ein interessantes Projekt“, sagt Burkhard Hammermeister, Chef des Projektes Jobaktiv „Miniaturwelten“, das durch das Jobcenter Altmarkkreis Salzwedel gefördert und vom Bildungsträger A & A Ausbildung und Arbeit Plus GmbH umgesetzt wird.

Burkhard Hammermeister an der Großbaustelle Gardelegener Rathaus. Ein weiterer Flügel wurde gerade erst begonnen.
Ein Flügel des Gardelegener Rathauses ist schon fertig.

Seit 1. Juni arbeiten die Miniaturweltler wieder komplett am Standort Breite Straße 3 unter strengen Hygienevorgaben. Davor hatte das 20-köpfige Team von Langzeitarbeitslosen dort nur mit halber Kraft gewerkelt. Die andere Hälfte saß im Homeoffice und baute in Heimarbeit Teile der Altmark nach.

Die Kalbenser Burgruine auf dem Arbeitstisch: Das historische Miniaturbauwerk wurde gekippt, um an alle Details herankommen zu können.

Inzwischen wird es eng in den Räumen der Breiten Straße 3. Denn Großvorhaben wie das Gardelegener Rathaus im Maßstab 1:25 samt Roland nehmen viel Platz weg und eine längere Bauzeit. Denn jeder Stein und jede Dachschindel müssen einzeln gesetzt werden. Im vorderen Raum stehen die Modelle, die sich seit 2009 – dem Beginn der erfolgreichen Maßnahme – angesammelt haben. Hinzu kommen auch etliche Miniaturen, die als Dauerleihgaben an Originalplätzen stehen. So hat der VKWA sich beispielsweise den 1,85 Meter hohen Salzwedeler Wasserturm ausgeliehen. Schon so lange, dass die Miniaturweltler für ihre eigene Ausstellung nun einen Zweiten bauen.

Das Vorbild ist ein Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert, das im Diesdorfer Freilichtmuseum steht. Links neben dem Haus die schwangere Bäuerin.

„Das hat auch den Hintergrund, dass das Bauwerk sehr anspruchsvoll ist“, kommentierte Burkhard Hammermeister. Denn nach historischer Recherche, Fotografieren und Vermessen geht es ans Bauen. Dabei sind handwerkliches Geschick, räumliches Denken und Mathematik gefragt. „Wir wollen damit die Langzeitarbeitslosen erst aktivieren und dann motivieren, sodass sie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Teamfähigkeit sowie Tagesstrukturen wieder verinnerlichen. Wir sehen das als Hilfe bei der Lebenszielplanung und für den Wiedereinstieg in den ersten Arbeitsmarkt“, umreißt Hammermeister. Seit 1. Juni steht ihm dabei auch Andre Lutz zur Seite. Mit ihm zusammen leitet Burghard Hammermeister die 20 Modellbauer an.

Das Leben im Haus ist liebevoll und detailreich gestaltet.

Und diese sehen Tag für Tag ihre Werke wachsen. Und dabei ist durch das Projekt „Mittelalterliche Gewerke“ auch das Innenleben von Gebäuden ins Blickfeld gerückt. So fehlen bei einem Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert weder der Meister mit dem Hammer noch die schwangere Bäuerin.

Auch der Meister mit dem Hammer wurde nicht vergessen.

„Leider können wir pandemiebedingt immer noch keine Besucher empfangen“, bedauert Burkhard Hammermeister sehr und hofft mit Blick auf die Inzidenzzahlen bald wieder auf Gäste, die sich die Miniaturwelten und deren Arbeiten ansehen.

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