Peter Schierz: Verluste gehen in die Hunderttausende

Schlimm: Salzwedeler Blumen für die Tonne – Stadt will Bäume nicht

Blumengroßhändler Peter Schierz bot der Stadt rund 200 Bäumchen für Friedhöfe und Grünanlagen kostenlos an. Diese wollte das Grün nicht haben. Nun stellt Schierz die Bäume Schulen und Vereinen zur Verfügung.
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Blumengroßhändler Peter Schierz bot der Stadt rund 200 Bäumchen für Friedhöfe und Grünanlagen kostenlos an. Diese wollte das Grün nicht haben. Nun stellt Schierz die Bäume Schulen und Vereinen zur Verfügung.
  • Holger Benecke
    vonHolger Benecke
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Großhändler Peter Schierz musste seine Existenzgrundlage selbst vernichten. Der Corona-Lockdown vor den Festtagen zwang den Unternehmer dazu, Blumen im Einkaufswert von rund 75 000 Euro zu vernichten, denn seit dem 16. Dezember haben die Floristen geschlossen.

Salzwedel – Schierz beliefert von Salzwedel aus rund 220 Kunden in vier Bundesländern (Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern). Ins letztgenannte Bundesland darf Schierz übrigens noch liefern.

Denn im Gegensatz zu den anderen Ländern sind dort die Baumärkte geschlossen aber die Blumenläden offen. Von einst 15 Touren pro Woche sind drei bis vier übrig geblieben.

Doch das ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Die acht Fahrzeuge, davon sechs Lkw, stehen die meiste Zeit still. Schierz hat 36 Mitarbeiter – bis auf fünf und drei Auszubildende sind alle in Kurzarbeit. „Wir haben seit 1994 insgesamt 44 Lehrlinge ausgebildet“, ist Peter Schierz stolz auf das Engagement seiner Firma, die er zusammen mit seinem Bruder Andreas führt.

„Ich will kein Mitleid“

Dass die Blumen – zirka 100 Kubikmeter Pflanzen und Schnittblumen – weggeworfen werden mussten, tat Schierz in der Seele weh. Schon beim ersten Lockdown gingen Blumen im Einkaufswert von rund 30 000 Euro auf die Deponie. Nun kamen noch einmal 75 000 Euro dazu. „Wir standen vor der umsatzstärksten Woche des Jahres nach dem Muttertag, hatten alles eingekauft und vorbereitet“, blickt der Unternehmer mit Grausen zurück. Ähnlich war es im Frühjahr: „Die Erstbepflanzung begann, dann der Lockdown.“

Und von Hilfe keine Spur. „Ich habe überall angerufen und alle angeschrieben“, bekam Peter Schierz nicht mehr als warme Worte zurück. „Ich will kein Mitleid, ich will einfach nur arbeiten und Geld verdienen“, stellt er klar. „Es ist, als wenn deine Wohnung zweimal abbrennt und die Versicherung sagt, Sie haben ja noch was“, ist der Großhändler entsetzt.

„Wir versuchen, alle Möglichkeiten auszuloten. Bislang haben wir immer nur gegeben, jetzt benötigen wir einmal Hilfe“, bezieht sich Peter Schierz zum Beispiel auf Steuerstundungen. „Aber bezahlen müssen wir sie irgendwann doch“, sieht er darin keine wirkliche Hilfe.

Nichtsdestotrotz haben er und sein Bruder um die 200 Bäumchen zum Auspflanzen, die nun nicht mehr verkauft werden können, zur Verfügung gestellte. Zukerhutfichten, Fichten und Koniferen haben sie der Stadt Salzwedel für Friedhöfe und Grünanlagen kostenlos zur Verfügung gestellt. „Zumal die Trockenheit der vergangenen Jahre gerade auf den Friedhöfen viele Bäumchen eingehen ließ“, so Schierz.

Die Antwort von der städtischen Friedhofsverwaltung war mehr als ernüchternd: Man habe keinen Bedarf. Es lohne nicht, die Flachwurzler würden an dem Standort nicht anwachsen. Doch Peter Schierz will die Bäume nicht wegwerfen müssen. Deshalb erhält er sein Angebot aufrecht, die Bäumchen kostenlos abzugeben – an Vereine oder Schulen.

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