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Schlechte Fahrradwege, Bus- und Bahnverbindungen in Salzwedel sorgten für Diskussionen

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Von: Lydia Zahn

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Thorsten Hensel (v.l.), Vorsitzender des Vereins „Jeetze(l)talbahn“, Holle Huygen vom ADFC und Stadtrat Marco Heide (Linke) diskutierten beim Stammtisch der Ideen im Bürgermeisterhof über Mobilität im ländlichen Raum. © Zahn, Lydia

Wie der Nahverkehr in und um Salzwedel verbessert werden könnte, wurde beim Stammtisch der Ideen am Dienstagabend im Bürgermeisterhof diskutiert. Hauptthemen waren dabei vor allem Radwege und Bahnschienen.

Salzwedel – Dass Salzwedel und die Altmark eher ländliche Regionen als Metropolen sind, ist nicht neu. Dass der ÖPNV hier nicht so ausgebaut und getaktet ist wie in Hamburg oder Berlin, ist auch klar. Trotzdem sehen die Stadträte Marco Heide (Linke) und Cathleen Hoffmann (Grüne) großes Verbesserungspotenzial. Beim Stammtisch der Ideen am Dienstagabend wurde sich genau damit beschäftigt – der Mobilität im ländlichen Raum.

Als Gäste waren Thorsten Hensel, Vorsitzender des Vereins „Jeetze(l)talbahn“, und Holle Huygen vom ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) stellvertretend für Hoffmann eingeladen worden. Denn neben Bus und Bahn spielen auch die Radwege eine Rolle, da diese verbessert und vor allem für Kinder sicherer gemacht werden müssten, erklärte Huygen.

Fahrradweg zum Märchenpark

„Ich selbst fahre nur Fahrrad und weiß, es gibt noch viel zu tun“, unterstrich sie. Als Beispiele nannte sie zu hohe Bordsteine der Wege an der Feuerwehr, hubbelige Strecken an der Ernst-Thälmann-Straße und nicht durchgehende Wege am Krankenhaus. „Es bringt nicht viel, nur einzeln zu gucken, sondern es müsste ein Gesamtkonzept erstellt werden. Es ist an vielen Stellen nicht sicher genug“, fasste Huygen zusammen. Marco Heide wünscht sich in Bezug auf die Radwege vor allem einen durchgängigen vom Fuchsberg zum Märchenpark. „Für mich muss das touristische Aushängeschild Märchenpark von allen Seiten mit dem Fahrrad erreichbar sein. Und das ist aktuell nicht der Fall“, führte Heide aus.

Mit Sicht auf den ÖPNV lobe Huygen, dass Fahrräder kostenlos mitgenommen werden können, „das ist nicht überall so“. Der Takt von zwei Stunden sei hingegen ausbaufähig. „Vor allem auf dem Dorf mit Blick auf die Jugendlichen geht das nicht. Es ist kein Wunder, dass fast jeder ein Auto hat. Es reicht einfach nicht aus, wenn ein Bus nur alle zwei Stunden fährt“, sagte sie. Diese Meinung vertraten nicht alle.

Thorsten Hensel merkte an, dass ein Zwei-Stunden-Takt für einen dünnbesiedelten Landkreis schon gut sei, im Wendland sehe das anders aus. Auch eine anwesende Bürgerin wies daraufhin, dass es alles andere als ökologisch sei, wenn ein Bus alle halbe Stunde oder gar jede viertel Stunde im Dorf halte. Das würden außerdem die wenigsten nutzen. Auch Marco Heide vertrat diese Ansicht: „Die Zeit ist schon okay, man muss das einfach planen.“ Heide war sich sicher, dass es mehr bringen würde, wenn die Bahn auch am Wochenende stündlich sowie alle zwei Stunden nachts fahren würde, um den Ausflug zur Großstadt einfacher zu gestalten.

Auch das 9-Euro-Ticket kam zur Sprache. Es sei klar, dass neun Euro zu günstig seien, um den ÖPNV zu finanzieren. Einzelne Kreis-, Landes- und Bundestickets könnten eine Lösung sein. Außerdem sollten Schülertickets nicht nur zu den Schulzeiten gelten, waren sich die drei einig. „Wenn wir nachhaltiger fahren wollen, muss es dauerhaft günstiger werden“, unterstrich Holle Huygen.

Strecke nach Arendsee besonders attraktiv

Ein weiterer Punkt, um den ÖPNV zu beleben, sei das Vorhaben der „Jeetze(l)talbahn“. Ziel des Vereins ist die schrittweise Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Dannenberg und Oebisfelde für den Personen- und Güterverkehr. Darin spiele auch Salzwedel eine wichtige Rolle. Das wären die Strecken von Salzwedel nach Arendsee, von Salzwedel über Klötze nach Oebisfelde und von Salzwedel nach Lüchow.

Das größte Potenzial sieht Heide in der Verbindung nach Arendsee mit einer eventuellen Weiterführung nach Wittenberge. „Ich habe mit Touristikern in Arendsee gesprochen, und die Nachfrage ist da“, erklärte er. Auch drei Unternehmen hätten ihr Interesse bekundet, die Strecke nutzen zu wollen. „Ich sehe dort einfach die größten Chancen. Und es wäre mega, wenn die Strecke wieder da wäre“, findet der Stadtrat. Deshalb wolle er in nächster Zeit weitere Unterstützung und Zustimmung für das Vorhaben sammeln.

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