„Sauen sind hochintelligent“

Während der Kreisjägerkonferenz in Zichtau gab es wieder interessante Trophäen zu sehen, darunter auch einige medaillenverdächtige.

ZICHTAU (mei). Schwarzwildexperte Gunther Sodeikat sprach während der Kreisjägerkonferenz am Sonnabend im Zichtauer Ferienpark von „echten Problemen“. Sein Vortrag über die Ergebnisse der Schwarzwildbesenderung war einer der Tagesordnungspunkte, nachdem die Strecke des Jagdjahres bilanziert und aktuelle Fragen beleuchtet worden waren.

Der neue Kreisjägermeister Hans-Ulrich Brückner fand in seinem Resümee über die Strecke des zu Ende gehenden Jagdjahres (siehe Infokasten) deutliche Worte. So sei die Planerfüllung beim Abschuss von IIb-Rothirschen (fünf- bis neunjährig) mit 29 Prozent „nicht befriedigend“. In der gleichen Klassifizierung der Damhirsche (drei- bis siebenjährig) konnten die Jäger den Plan ebenfalls nicht erfüllen. Nur 59 von 103 geplanten Hirschen fielen (57 Prozent). Nicht erreicht wurden die Zielstellungen zudem beim Muffelwild, hier speziell bei den Lämmern sowie den einjährigen und älter als fünfjährigen Widdern.

Bevor Brückner das Jagdjahr bilanzierte, hatte Mario Schneegaß im Namen der drei Jägerschaften des Altmarkkreises die Weidfrauen und -männer sowie die Gäste, darunter Landrat Michael Ziche, Gardelegens Bürgermeister Konrad Fuchs, Zichtaus Ortsbürgermeisterin Astrid Läsecke, Salzwedels Polizeirevierleiterin Sandra Schmidt, Bundestagsabgeordnete Katrin Kunert, die Landtagsabgeordneten Uwe Harms, Jürgen Barth und Hans-Jörg Krause sowie Vertreter vom Landesverwaltungsamt und vom Forstamt Altmark, begrüßt.

Die Konferenz fand ein großes Interesse – kaum ein Stuhl im Zichtauer Ferienpark blieb frei. Die Jägerschaften hatten sich wieder alle Mühe gegeben, den Raum mit den Trophäen des Jagdjahres ansprechend auszustatten. Eine ganze Front wurde beispielsweise von der Hegegemeinschaft Parchen / Badel bestückt, die sich an diesem Nachmittag näher vorstellte. Da gab es interessante Trophäen zu sehen, etwa die eines ungeraden 16-Ender-Rothirsches mit über neun Kilo Geweihgewicht, der nach Ansicht von Letzlingens Revierförster Ralf Pieper wohl eine Goldmedaille holen wird. Leider zierte die Wand auch die Trophäe von „Leopold“, eines in Kaiserwinkel besenderten Hirsches, dessen Todesumstände „unklar“ sind.

In seiner Auswertung der Damwild-Trophäen appellierte Klötzes Forstlehrlingsausbilder Horst Kamieth erneut, Spießer zu schonen und besser bei Kälbern und Kniepern (zweijährig) einzugreifen.

„Immer versuchen, geringe Jährlinge zu erlegen“, war der Rat von Muffelspezialist Dieter Bresch von der Hegegemeinschaft Parchen / Badel. Er geht davon aus, dass der Altmarkkreis bei der Landestrophäenschau in Langenweddingen erneut die stärksten Widdertrophäen stellen wird.

„Wir haben echte Probleme“, begann Gunther Sodeikat seinen Vortrag. Und untermauerte im Anschluss anschaulich, warum die Jägerschaft das Schwarzwild nicht in den Griff bekommt. Der Wildtierforscher an der Uni Hannover machte deutlich, dass der Sauenbestand oft um ein Dreifaches unterschätzt werde. Nicht nur wegen der häufigen Mastjahre beispielsweise der Buchen und Eichen, sondern auch wegen der gestiegenen Nahrungsressourcen (speziell Mais), der milden Winter und der zunehmenden Ausbreitung der Art. Neben den Wildschäden an landwirtschaftlichen Kulturen und -unfällen sieht Sodeikat insbesondere die Schweinepest „als Damoklesschwert“.

Im östlichen Niedersachsen, also ganz in der Nähe, sind 350 Schweine besendert worden, um ihr Verhalten näher zu analysieren. Mit erstaunlichen Ergebnissen: Wildschweine wandern auch bei Drückjagden nicht ab. Sie sind in diesen Momenten auch keinesfalls orientierungslos, sondern suchen bekannte Verstecke auf. „Sauen sind hochintelligent“, zollte der Fachmann dem Schwarz-

wild Respekt, „besonders, wenn erfahrene Bachen in der Rotte sind“. Die Erfahrung: 17 von 21 Rotten sind in ihren Haupteinstandsgebieten geblieben. DieRestrotten waren zwei bis sechs Wochen weg, dann wieder da. Sodeikats Empfehlung: „Jagen Sie großräumig mit vielen Jägern in den Randbereichen.“

Was oft unterschätzt werde: Frischlinge reproduzieren schon ab fünf Monaten. „20-Kilo-Frischlingsbachen sind zu 75 Prozent geschlechtsreif“, wusste der Experte. Dieses „gewaltige Reproduktionspotenzial“ sei „phänomenal“. Das Hauptaugenmerk der Jäger müsse sich auf Frischlings- und Überläuferbachen richten. Ideal wäre, 80 Prozent der Frischlinge ab Mai zu strecken und nachgeordnete Bachen ab Mitte Oktober (Sodeikat: „Geben Sie sie bei Drückjagden ruhig frei“). Ganzjährige Kirrungen sollten minimiert werden, empfahl der Fachmann, denn die Sauen seien Strategen und würden sofort auf günstige Lebensbedingungen reagieren.

      Mehr zu den Themen der Kreisjägerkonferenz in den nächsten Tagen.

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