Von Woche zu Woche

Salzwedels Marktplatz ohne Markt

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Eine Stadt ohne Wochenmarkt. Den Bauernmarkt am Reitstadion ausgenommen. Jahrelang dümpelten zwei, drei Händler auf dem Marktplatz vor sich hin, schrieben Briefe ans Rathaus, wollten da weg. Aber nein – die Stadt-Oberen waren hartnäckig.

Schließlich wurde der Marktplatz extra für den Wochenmarkt hergerichtet, mit viel Geld. Die Händler sollten doch eher ihr Angebot überdenken und dies attraktiver machen, hieß es immer wieder.

650 000 Euro kostete der Marktplatz am Bürgercenter, feierlich eingeweiht vor ziemlich genau sechs Jahren. Schon damals prophezeiten Kritiker, dass ein Wochenmarkt auf dem verstecken Platz nicht laufen würde. So war es auch. Ob es nun daran lag, dass die Laufkundschaft fehlte, wie die Händler beklagten, oder daran, dass ihr Angebot einfach zu schwach war. Fakt ist: Es gibt keinen Wochenmarkt mehr. Und nach der Absage der Potsdamer Agentur ist es sehr fraglich, ob es den Wochenmarkt auf dem Marktplatz je wieder geben wird. Schließlich hat auch die Potsdamer Agentur beklagt, dass sie zu wenig Händler gefunden hat, die den Markt bestücken wollen.

Und nun? Nun hat Salzwedel einen Marktplatz für diverse Feste, wobei es auch dabei Kritik am Standort gibt. Die Stadtgeister beispielsweise haben ihren Fashion Day verlegt. Die von der Stadt aufgelegte „Marktoffensive“ sollte den Platz beleben – Weihnachtsmarkt und Hansefest finden dort zum Beispiel statt. Aber rechtfertigt das die Kosten von 650 000 Euro?

Erinnern wir uns daran, dass der Marktplatzbau mit dem Fällen von 13 Linden am 8. Oktober 2007 begonnen hatte, was die Naturschützer der Stadt auf den Plan brachte. „Baufreimachung“ nannte sich das. Und erinnern wir uns weiter daran, warum der „multifunktional nutzbare Marktplatz“, wie damals immer betont wurde, genau so hieß: Dort sollte nicht nicht nur der Markt stattfinden, sondern die geschliffenen Betonsteine mit Natursteinsprengel waren darauf ausgelegt, dass auf dem Platz zum Beispiel auch Inline-Skater laufen können.

650 000 Euro für einen Marktplatz mit 1870 Quadratmetern Nutzfläche, auf dem der Weihnachtsmarkt, das Hansefest und ein paar wenige andere Aktivitäten stattfinden. Und auf dem ab und an Inline-Skater fahren (sollten). Auch als Zirkusgelände könnte der Platz herhalten, wie sich der damalige Bürgermeister Siegfried Schneider bei der offiziellen Freigabe am 25. April 2008 wünschte. Seiner Bestimmung wurde das Areal dann am 2. September 2008 übergeben. Damals wimmelte es auf dem Platz nur so von Händlern. „Wie oft habe ich gehört, dass Salzwedel keinen Marktplatz hat und der Markt deshalb auf den Straßen abgehalten werden muss“, sagte Schneiders Nachfolgerin Sabine Danicke damals. Salzwedel brauche einen Marktplatz, gab sie sich überzeugt.

650 000 Euro, 13 gefällte Linden. In der Stadt wird man darüber nachdenken müssen, ob zwei größere Feste im Jahr die Kosten und die gefällten Bäume rechtfertigen. „Die Zeiten ändern sich, das konnte man damals noch nicht wissen“, wird ein Argument sein. Und alle werden dazu nicken ...

Von Ulrike Meineke

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