Laute Töne für mehr Perspektive

Salzwedels DJs wollen nicht länger untätig sein

Peter Döbbelin alias DJ Peter
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Peter Döbbelin alias DJ Peter hat mit Branchenkollegen für den 10. April eine Aktion organisiert.
  • Jens Heymann
    vonJens Heymann
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Weil sie derzeit für sich kaum eine Perspektive sehen, wollen 16 DJ demnächst in einer Aktion auf ihre Lage und die von Clubs, Bars und weiteren Freizeiteinrichtungen aufmerksam machen.

Salzwedel – In der Salzwedeler Innenstadt sollen am Sonnabend, 10. April, zwischen 11 und 12 Uhr zumindest für Corona-Zeiten ungewöhnliche Klänge zu hören sein. Insgesamt 16 Discjockeys (früher auch mal als Schallplattenunterhalter bezeichnet) wollen mit der konzertierten Aktion „Wir werden laut“ auf ihre Lage sowie auf die von Clubs, Bars, Diskotheken, Händlern und Gastronomen hinweisen. Beispielsweise am Kunsthaus, vor dem „Schwarzen Adler“, am Neuperver Tor, am Bahnhof und anderen Orten soll Musik aufgelegt werden. Jeder DJ-Standort gilt dabei als eigenständige Versammlung.

Alle haben ein Problem: Solange das Corona-Virus dichte Menschenansammlungen verhindert, funktioniert das Geschäftsmodell nicht richtig. Es drohe der Kollaps einer kompletten Branche.

Hinter der Aktion stehen vor allem vier Discjockeys: Mario Wiedenhoever (DJ D Rion), Ronny Sobek (DJ Ronny), Elias Wiegandt (DJ Else) und Peter Döbbelin (DJ Peter). Vor einigen Wochen sei die Idee aufgekommen, etwas zu unternehmen, erzählt Peter Döbbelin aus Cheine. Schnell hatten sich 22 DJs zusammengefunden, von denen nun 16 übrig geblieben sind.

Die Aktion sei bei Lokal- und Geschäftsinhabern auf offene Ohren gestoßen, sagt Döbbelin. „Umso lauter wir geworden sind, desto mehr Zustimmung gab es.“ In der Krise finden alle zusammen.

Was die Musikunterhalter wollen, ist eine Perspektive. Co-Organisator Döbbelin will corona-geplagten Leuten mit Musik ein bisschen Spaß und Entspannung vermitteln und verweist daher auf Möglichkeiten von Freiluftveranstaltungen. „Muss man alles zumachen, oder gibt es auch Wege, mit der Pandemie zu leben?“, geht Döbbelin gedanklich dann noch einen Schritt weiter.

Ihm ist klar: Tanzende Menschen auf Abstand zu halten, ist eigentlich unmöglich. „Die DJs werden die Letzten sein“, befürchtet er deswegen, ganz am Ende der Lockerungskette zu stehen, sollte es denn irgendwann so weit sein. Da komme schon Resignation auf, beschreibt Döbbelin. Nach außen werde zwar positives Denken vermittelt, aber der überwiegende Teil seiner Mischpultkollegen gehe davon aus, dieses Jahr keine Termine zu haben.

Döbbelin selbst hatte im vergangenen Jahr genau zwei Veranstaltungen – eine im März und eine im Oktober. Spektakuläre Termine wie eine Hochzeit im Tangermünder Schloss sind auf unbestimmte Zeit verschoben. Die Pandemie habe ihn rund 20 Auftritte gekostet, zählt Peter Döbbelin zusammen. Seine Anlage habe er höchstens mal für sich selbst aus den Kisten geholt.

Weil er wie die meisten DJs allerdings einem Beruf nachgeht, gehe es zumindest finanziell nicht an die Substanz. Aber nur ums Geldverdienen gehe es sowieso nicht, sagt der Musikexperte aus Cheine. Da steckt auch Leidenschaft drin. „Wir sind für unsere Kunden da.“

Sollte die Corona-Pandemie irgendwann soweit überwunden worden sein, dass Tanzveranstaltungen wieder möglich wären, glaubt Peter Döbbelin an das Wiederaufleben der Nachfrage nach den DJ-Künsten. „Definitiv. Die Leute warten nur darauf“, ist er sich sicher.

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