Immobilie wird heute in Berlin versteigert / Kommunales Engagement gescheitert

Salzwedels Bahnhof unter dem Hammer

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Der Salzwedeler Bahnhof kommt heute unter den Hammer. Der Gebäudekomplex wird in Berlin von einem Aktionshaus für ein Mindestgebot von 29 000 Euro angeboten.

Salzwedel. Heute und morgen läuft im Auditorium an der Berliner Friedrichstraße die Winterversteigerung eines Auktionshauses. Was das mit Salzwedel zu tun hat? Der Bahnhof der Hansestadt kommt dort unter den Hammer. Und zwar für mindestens 29 000 Euro.

Dafür gibt es 740 Quadratmeter, von denen rund 230 Quadratmeter vermietet sind. Zu letzteren gehören der Fahrkartenschalter sowie Personal- und Sanitärräume der DB Regio im Obergeschoss. Abzuwarten bleibt, was mit dem Gebäude – wenn es denn überhaupt versteigert wird – im Anschluss passiert.

Die Versuche von Salzwedels Ex-Oberbürgermeisterin Sabine Danicke, bei der sie von der Mehrheit des Stadtrates unterstützt wurde, waren letztendlich im Mai dieses Jahres an der Kommunalaufsicht gescheitert. Diese untersagte auf Grund der desolaten Finanzlage der Stadt das Bahnhofsexperiment.

Zur Erinnerung: Um den Bahnhof in ein modernes Reisezentrum umzuwandeln, wären 3,5 Millionen Euro nötig gewesen. Das jedenfalls hatte eine 20 000 Euro teure Machbarkeitsstudie errechnet. Bevor die Stadt nach den 20 000 Machbarkeits-Euros auch noch die 3,5 Millionen Millionen für „Erwerb und Revitalisierung des Bahnhofes“ – wie es hieß – in den Sand setzte, schoben die Kommunalaufseher einen Riegel davor. Aus der Traum.

Nun kommt das Einfallstor der Hanse- und Baumkuchenstadt, das um 1900 erbaut wurde und einer Londoner Kapitalgesellschaft gehört, unter den Hammer, wird nicht an die Kommune, sondern privat versteigert. Damit verliert die Stadt auch jeglichen Einfluss auf mögliche Nutzung und Gestaltung.

Angepriesen wird der Komplex übrigens als „leer stehend“, obwohl DB Regio und Fahrkartenschalter vermietet sind. Die letzte Mieterin die ausgezogen ist, war Angelika Retzlaff, die dort einen Imbiss betrieb – mit der einzigen Toilette, die es am Salzwedeler Bahnhof gab, nachdem das Luxushäuschen auf dem Vorplatz dicht gemacht worden war. Retzlaff hatte nur aufgegeben, weil die Vermieter die Pacht erhöhen wollten.

Von Holger Benecke

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