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Salzwedeler Sportvereine kämpfen mit hohen Energiekosten

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Von: Christian Reuter

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Auch die Agricola-Turnhalle in Salzwedel wird von Sportvereinen genutzt. Sowohl die Stadt als auch der Altmarkkreis sind bestrebt, alle Turnhallen und Sportstätten trotz der Energiekrise offenzuhalten. © Christian Reuter

Die Energiekrise stellt alle vor besondere Herausforderungen. Auch die Sportvereine sind von den explodierenden Kosten für Heizung und Strom betroffen. In Nienburg im Salzlandkreis wurden bereits erste Turnhallen geschlossen. Doch wie sieht die Situation in der Stadt Salzwedel und im Altmarkkreis Salzwedel aus? Die AZ fragte nach.

Salzwedel. „Ich habe am 10. Oktober einen offenen Brief an die Bürgermeister der Gemeinden des Altmarkkreises geschickt“, berichtet Lutz Franke, der Vorsitzende des Kreissportbundes (KSB) Altmark West. Darin stellt er klar, dass aufgrund der aktuellen Situation auch die Sportvereine alle Einsparmöglichkeiten bei Heizung und Energie nutzen müssten. „Es kann aber nicht sein, dass der Energiekostenanstieg dazu genutzt wird, die Pauschalen für die Nutzung der kommunalen Sportstätten für den Kinder- und Jugendsport zu erhöhen“, betont Franke.

Der KSB-Vorsitzende appelliert an die Bürgermeister, nicht voreilig zu handeln und die Folgen der Erhöhung von Nutzungspauschalen zu überdenken. „Kurzfristig bringen diese sicher etwas mehr Geld in die klammen kommunalen Kassen, für die Sportvereine kann es aber das finanzielle Aus bedeuten“, schreibt Franke.

Auf AZ-Nachfrage teilte er mit, dass es bereits Vereine gebe, die zum Zahlen von Abschlagserhöhungen aufgefordert worden seien. Bisher seien es aber nur einzelne Vereine, bei denen es „Unsicherheiten“ gebe. Der KSB habe seine Unterstützung zugesagt. Und auch vom Land und vom Bund solle es Hilfen geben. „Wir sind alle im Gespräch miteinander und suchen gemeinsam nach Lösungen. Da sind wir auf einem guten Weg“, sagt Lutz Franke.

„Für unseren Verein wurde der monatliche Gasabschlag zum 1. Oktober von 200 auf über 400 Euro erhöht“, informiert Uwe Pape, 1. Vorsitzender des FSV Heide Letzlingen. Und ergänzte: „Beim Strom habe ich die meisten Bauchschmerzen.“ Der Verein erhalte zwar von der Stadt Gardelegen einen Betriebskostenzuschuss, „der wird bisher aber nicht erhöht. Aber wir konnten mit der Stadt immer vernünftige Gespräche führen“, erklärt Pape.

„Uns betrifft das eher weniger“, sagt Nils Krümmel, 1. Gildemeister der Schützengilde der Stadt Salzwedel von 1475, zur Energiekrise. Für den Bogensport nutze der Verein zwar auch Turnhallen, allerdings nur im Winter. Und das Vereinshaus habe erst vor etwa drei Jahren eine moderne Gasheizung erhalten und werde zudem nicht ständig genutzt. „Wir rechnen mit einer kleinen Steigerung von 20 bis 30 Prozent bei den Energiekosten“, so der 1. Gildemeister.

„Ich habe noch nichts von Erhöhungen gehört und hoffe, dass das auch so bleibt“, sagt Antje Schiel, Vorsitzende der Wohnsportgemeinschaft „Jenny Marx“ Salzwedel. Der Verein sei auf die Nutzung von drei Turnhallen angewiesen (Agricola sowie Jenny- Marx- und Comeniusschule). In den Hallen werde Strom gespart, indem weniger Lampen eingeschaltet würden.

„Die Hansestadt Salzwedel hat keine Pläne, Sporthallen aufgrund der Energiepreise zu schließen“, stellt Andreas Köhler, Pressesprecher der Stadt, auf AZ-Nachfrage klar. Die Stadt Salzwedel sei bestrebt, nach den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie und dem Lockdown für Sportanlagen und Sportstätten eine erneute Schließung zu vermeiden.

„Gerade im Hinblick auf den Kinder- und Jugendsport hat sich die Schließung negativ ausgewirkt, sodass es der Wille der Verwaltung ist, die Sporthallen gerade für den Vereinssport offenzuhalten“, schreibt Köhler.

Natürlich müsse dabei auch die Energie-Situation im Auge behalten werden, dies werde beispielsweise durch die Optimierung der Heizungsanlagen in den Sportstätten und der Sensibilisierung der Hallenwarte und der Vereine für das Energiesparen gewährleistet.

Apropos Energiesparen. „Eine Aus- und Umrüstung von Photovoltaik-Anlagen für Sportstätten ist eine Maßnahme, die geprüft wird“, führt Köhler aus. Allerdings stelle eine PV-Anlage Anforderungen, die nicht zwingend von Sporthallen erfüllt werden könnten, da die Nutzungsart und Nutzungszeit in Sporthallen mit den Bedingungen einer PV-Anlage nicht immer übereinzubringen seien. „Da muss also für jedes Gebäude einzeln geprüft werden, welche Modernisierung sinnvoll und nutzbringend ist“, sagt Köhler.

Auch der Altmarkkreis Salzwedel ist Träger von Sportstätten. „Einige Schulsporthallen des Landkreises sind schon mit PV-Anlagen ausgestattet. Das sind die Sporthallen in Beetzendorf, der Lessing-Ganztagsschule, der Berufsbildenden Schulen und des Jahn-Gymnasiums (alle in Salzwedel, d. Red.). Weitere Gebäude sind geplant“, teilte Kreispressesprecherin Birgit Eurich auf AZ-Nachfrage mit.

„Der Altmarkkreis ist bemüht, die in seiner Regie befindlichen Sportstätten so lange wie möglich offenzuhalten. Ob dies letztendlich gelingt, ist auch von den Entwicklungen bei den Energiepreisen abhängig“, sagt Landrat Steve Kanitz. Für die laufende Heizsaison werde es keine Preisanpassungen geben.

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