Nachricht aus der Vergangenheit

Salzwedeler Künstler legen Flaschenpost aus dem Jahr 1964 frei

+
Künstlerin Bettina Müller hält den Fund aus längst vergangener Zeit in der Hand.

Salzwedel – Eine Nachricht in der Flasche, oder Message in a bottle, fiel Bauherren in Salzwedel in die Hände. Genauer gesagt den Kunstschaffenden der Salzwedeler Kulturnische, als sie eine Mauer abreissen wollten.

Zwischen den vielen Steinen befand sich eine Nachricht, die vor 56 Jahren verfasst wurde und seitdem gut verbaut im Verborgenen schlummerte.

„Wir sind gerade damit beschäftigt, eine Wand abzureißen, um das dahinterliegende alte Mauerwerk wieder freizulegen“, erklärte Jacob Blödow. Als die Männer gerade mit dem Presslufthammer ansetzten, fiel ihnen plötzlich die Flaschenpost, die unter einem Fenster eingemauert war, in die Hände. Sofort wurde die Arbeit unterbrochen. Um zu sehen, was sich in der Flasche befindet. Auf einem kleinen Stück Papier, auf dem eine glückliche Familie auf der Vorder- und Rückseite aufgemalt ist, waren vermutlich auch die Handwerker erwähnt, die am Bau beteiligt waren.

Die Künstler konnten das Datum 14. März 1964 und einige der Namen entziffern. „Genannt wurden Klaus-Dieter Sobek, Norbert Petruschkat, Albert Prehn, Willfrid Fritz und Jürgen Kozcik“, so die Künstler. Ob die Namen alle richtig identifiziert wurden, können die Salzwedeler allerdings nicht garantieren. Zum einen erscheint es so, als hätte ein Kind es damals geschrieben, zum anderen ist die Bleistiftschrift bereits leicht verschwommen.

„Beim Bau ist es eine gute Tradition, der Nachwelt solch eine Nachricht zu hinterlassen. Früher, wie auch heute“, so Bettina Müller. Es sei kein Muss, aber eine schöne Tradition, die dann für Überraschung sorgt, wenn die Nachricht bei einem Abriss wiedergefunden wird. Wie in dem besagten Fall.

In solchen Nachrichten können sich neben kurzen Informationen und Auflistungen von Baubeteiligten manchmal auch Zeitungen oder Münzen befinden. Die Salzwedeler Künstler heben ihren Fund nun sorgfältig auf und hoffen, dass einige der Handwerker, die auf dem Zettel vermerkt sind, noch in der Hansestadt leben und sich eventuell melden könnten. Sie können den Bauherren sicherlich einiges vom damaligen Baugeschehen erzählen. Von einer Zeit, die längst vergangen ist.

VON PAUL WILLIAM HIERSCHE

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare