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Salzwedeler Kinder- und Frauenhaus gibt alles, um weiterhin zu bestehen

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Von: Lydia Zahn

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Liane Kretschmer arbeitet schon seit mehr als 30 Jahren im Kinder- und Frauenhaus. © Privat

Es ist im gesamten Altmarkkreis das Einzige – das Kinder- und Frauenhaus in Salzwedel. Dort sind drei Teilzeitangestellte 365 Tage im Jahr und 24 Stunden am Tag abwechselnd für Frauen da, die von häuslicher Gewalt oder Stalking (Nachstellen) betroffen oder bedroht sind. Sie nehmen die Frauen und ihre Kinder auf, hören zu, beraten, helfen bei Anträgen oder Anzeigen bei der Polizei. Das Aufgabenfeld ist vielfältig und umfangreich. Umso trauriger ist es, dass auch das Kinder- und Frauenhaus mit der aktuellen Preislage stark zu kämpfen hat.

Salzwedel – Erst kam die Corona-Pandemie und nun die nicht enden wollenden Preissteigerungen in so gut wie jedem Bereich. „Wir konnten nicht mal unser 30. Jubiläum feiern. Das Frauenhaus wurde im Januar vergangenen Jahres nämlich 30 Jahre alt“, berichtet Sozialarbeiterin Liane Kretschmer traurig. Sie selbst ist fast seit Anbeginn mit dabei, kam rund zehn Monate, nachdem der Verein das Frauenhaus gegründet hatte, dazu. In all den Jahren hat sie viel gesehen, gehört, erlebt und natürlich geholfen. „Aber nichtsdestotrotz sind wir so stolz darauf, das geschafft zu haben. Dass es in unserem Landkreis noch ein Frauenhaus gibt, ist nicht selbstverständlich. An dieser Stelle muss ich meinen Dank an den Vereinsvorstand aussprechen“, sagt Kretschmer mit voller Überzeugung.

Dafür braucht es aber auch viel Unterstützung. Und die bekommt das Frauenhaus größtenteils vom Land. Aber auch der Altmarkkreis, Salzwedel, Gardelegen, Klötze, Kalbe und die Verbandsgemeinde Beetzendorf-Diesdorf greifen mit unter die Arme. Ein weiterer Aspekt sind Bußgelder vom Gericht. Etwa wenn der Richter dem Angeklagten eine Geldstrafe auferlegt, die dann ans Frauenhaus zu zahlen ist. „Durch all die Unterstützung über die Jahre sehen wir, dass unsere Arbeit wertgeschätzt wird“, findet Kretschmer.

2022 schon mehr als 100 Frauen geholfen

Das zeigen auch die Statistiken. 2022 haben bisher 17 Frauen und 25 Kinder das Frauenhaus aufgesucht und haben dort Unterschlupf gefunden. 86 Frauen sind zur Beratung gekommen, blieben also nicht über Nacht. Und die Frauen, die bleiben, tun dies im Schnitt für 50 bis 60 Tage. Manche bleiben aber auch wesentlich kürzer, berichtet die gebürtige Salzwedelerin. „Wohnen im Frauenhaus bedeutet Schutz“, sagt Kretschmer. Niemand werde dort eingesperrt. Die Frauen würden ihren Alltag immer noch selbst bestimmen. „Es ist ein bisschen wie in einer WG zu wohnen, sage ich immer. Jeder hat seinen eigenen Bereich, aber auch Gemeinschaftsräume“, führt die Sozialarbeiterin weiter aus.

Dabei spielt es keine Rolle, was die Hilfesuchenden mithaben. „Manche kommen ohne alles bei uns an. Ohne Papiere, ohne Kleider, ohne Geld“, weiß Kretschmer aus Erfahrung. In diesen Fällen mussten die Frauen schnell fliehen und hatten es nicht geschafft oder nicht daran gedacht, noch groß etwas mitzunehmen. Aber auch das sei laut Liane Kretschmer okay. Denn das Frauenhaus arbeite mit der Tafel und dem Umsonstladen in Salzwedel zusammen, die in solchen Situationen gerne aushelfen würden. „Die Frauen sind hier nicht alleine“, verspricht Kretschmer.

Hilfesuchende kommen aus allen Schichten

Die Frauen, die es schaffen, sich Hilfe zu suchen, sind so unterschiedlich wie ihre Probleme. „Ich habe schon Angestellte, aber auch Ärztinnen begleitet. Die Frauen kommen aus allen Schichten zu uns“, erzählt Kretschmer. Aber nur weil sie es schaffen, den ersten Schritt zu machen, heißt das nicht, dass alles auf Anhieb klappt. Oft würden die Frauen mehrere Anläufe brauchen, bis sie den Weg in eine eigene Zukunft gehen. „Aber auch das ist in Ordnung“, versichert Kretschmer. Denn schließlich würden viele Erinnerungen an der Vergangenheit hängen und nicht nur schlechte. Deshalb ist das Frauenhaus auch mit einer Nachsorge weiter an der Seite der Hilfesuchenden.

Und Liane Kretschmer hofft, dass sie und ihre Kolleginnen das auch noch die nächsten Jahre sein können. „Wir haben wirklich Angst vor dem nächsten Jahr. Es ist einfach eine schwierige Zeit“, gibt Kretschmer zu. Jetzt, wo die Menschen selbst weniger hätten, würden sie auch weniger geben. Und allein die Nebenkosten für das Frauenhaus seien deutlich gestiegen, verrät die Salzwedelerin. Und: „Uns ist noch nicht so richtig klar, wie wir das nächstes Jahr stemmen werden.“ Dennoch hofft und glaubt sie daran, dass das Kinder- und Frauenhaus auch in Zukunft bestehen und Schutz bieten wird.

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