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Salzwedeler Jungstörche mit Sendern haben unterschiedliche Schicksale erlebt

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Von: Jens Heymann

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Die mittlerweile auf die Namen Felix (stehend) und Kristian getauften Henninger Jungstörche halten sich derzeit in Südafrika bzw. im Senegal auf.
Die mittlerweile auf die Namen Felix (stehend) und Kristian getauften Henninger Jungstörche halten sich derzeit in Südafrika bzw. im Senegal auf. © Privat

Im Salzwedeler Raum sind es in diesem Jahr sieben Jungstörche, deren Reiseverhalten in den Süden mittels Sender beobachtet wird – drei aus Mahlsdorf, zwei aus Henningen und zwei aus Siedenlangenbeck. Die Menschen wollen herausfinden, warum sich die Jungtiere für den westlichen Weg über Spanien oder den östlichen über die Türkei entscheiden (Ost- oder Westzieher). Von den sieben Jungstörchen zog es zwei nach Westen, fünf nahmen die Ostroute. Die Geschwister aus Henningen und Siedenlangenbeck teilten sich jeweils auf; die Mahlsdorfer wählten die Strecke über den Osten.

Salzwedel – Aber nicht minder interessant ist das Schicksal der sieben Jungtiere, seit sie auf eigenen Füßen stehen. Die AZ prüfte die Senderdaten zuletzt vor vier Monaten; vor einigen Wochen hat Petra Meyer von der federführenden Vogelschutzwarte Storchenhof Loburg detaillierte Informationen zugeschickt.

Am weitesten hat es die beiden Tiere aus Henningen verschlagen. Felix (Kennung XW975) ist mittlerweile in Südafrika nördlich der Hauptstadt Pretoria angekommen. Sein Artgenosse Kristian (XZ976) verweilt derweil in Westafrika, genauer gesagt in einem Feuchtgebiet im Südwesten des Senegal. Sein Schicksal war unklar, da die Sendersignale im Süden Marokkos ausgesetzt hatten.

So spektakulär erging es den anderen Störchen nicht. Manchmal ist auch schon die traurige Gewissheit des Ablebens vorhanden. Storch XS974 sendete Mitte August zuletzt aus der Nähe von Zwickau; der Sender versagte aus unbekannten Gründen, wie die AZ aus Loburg erfuhr.

Claus (XM973) hält sich seit einiger Zeit in Palästina an der Grenze zu Jordanien auf. Er sei bequem und bevorzuge eine Mülldeponie, hieß es vor einigen Wochen aus Loburg.

Sein Bruder (XY972) ist höchstwahrscheinlich im Spätsommer in Syrien ums Leben gekommen. Seine Lebenszeichen verloren sich südlich von Damaskus in einem militärischen Sperrgebiet. Für die Storchenfreunde ist Syrien ein schwieriges Gebiet, da dort auch Jagd auf die Tiere gemacht werde.

Die beiden Exemplare aus Siedenlangenbeck erfuhren ein höchst unterschiedliches Schicksal. Das Leben von XW962 endete im August an einem Strommast in der Nähe des polnischen Gleiwitz. Bruder Moritz (XZ963) hielt sich lange Zeit in Marokko im Großraum Rabat auf. Zu seinen Lieblingsplätzen zählte außerdem eine Mülldeponie bei Kenitra, nördlich der Hauptstadt. Derzeit ist er in Spanien bei Cadiz.

Verluste unter den Jungstörchen ist für die Experten nichts Überraschendes. Nur ein Drittel der Tiere überlebe den ersten Storchenzug in den Süden, heißt es aus Loburg. Dafür gebe es unterschiedliche Ursachen; eine häufige seien jedoch ungesicherte Strommasten. Das zeigt sich an den Daten über andere Störche mit Sendern. Von den vier Köckter Exemplaren sind drei verstorben, der Vierte wird schon länger im Sudan vermisst.

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