Junge Französin unterrichtet Schüler

Salzwedeler Jahn-Gymnasium: Vom Gefängnis in den Schulalltag

Claire-Isabelle Fournage (r.) aus Grenoble arbeitet seit Oktober als Sprachassistentin an der Seite von Petra Meyer, die Französischlehrerin am Jahn-Gymnasium ist. Sie nimmt viele Eindrücke aus der Altmark in die Heimat mit.
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Claire-Isabelle Fournage (r.) aus Grenoble arbeitet seit Oktober als Sprachassistentin an der Seite von Petra Meyer, die Französischlehrerin am Jahn-Gymnasium ist. Sie nimmt viele Eindrücke aus der Altmark in die Heimat mit.
  • VonPaul William Hiersche
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Salzwedel – Von der Arbeit im Gefängnis in den Bereich der Sozialpädagogik. Damit legte die 23-jährige Französin Claire-Isabelle Fournage aus Grenoble einen großen beruflichen Spagat hin.

Und: Nach ihrem Bachelorabschluss verließ Fournage die heimischen Gefilde und zog in die Altmark, wo sie als Sprachassistentin am Salzwedeler Jahn-Gymnasium arbeitet.

Was der jungen Französin sofort auffiel, ist das unterschiedliche Schulsystem beider Länder. „In Frankreich ist alles viel strenger. Auch haben die Schüler weniger persönlichen Kontakt mit den Lehrern als hier in Deutschland“, schilderte Fournage. „Der Umgang zwischen Lehrkraft und den Kindern und Jugendlichen war schon eine kleine Umstellung für mich.“

Auch was die Schulzeiten in Deutschland angeht, es sind andere als in Frankreich. „Die Schule beginnt dort so gegen acht oder halb neun“, so die Grenoblerin. „Dafür sind die Jugendlichen ab der zehnten Klasse an einigen Tagen erst ab 17 oder 18 Uhr zu Hause.“ Und die Hausaufgaben seien dann noch nicht gemacht.

Am Salzwedeler Jahn-Gymnasium assistierte die 23-Jährige ab der siebten bis zur zwölften Klasse im Fremdsprachenunterricht Französisch. „Eine Muttersprachlerin an seiner Seite zu haben ist Gold wert“, sagte Petra Meyer. Beide Frauen hätten im Unterricht die Klasse getrennt, um so besser den Lernstoff übermitteln zu können. Zum Anfang musste jedoch Claire-Isabelle Fournage bei den jungen Schülern der siebten Klassen ihre Autorität unter Beweis stellen. Keine leichte Aufgabe, fand die junge Frau. Doch nach einiger Zeit haben sich die Mädchen und Jungen an die Französin gewöhnt.

Nach dem sie im Oktober vergangenen Jahres nach Salzwedel gezogen ist, stand für sie ein weiterer Umzug an. „Ich bin später nach Stendal gezogen in eine Wohngemeinschaft“, erklärte Fournage. „So konnte ich einige Kosten sparen, und das Pendeln hat mich überhaupt nicht gestört.“ Petra Meyer bedauerte ein wenig die Situation in der Baumkuchenstadt. Eine Universität, wie in Stendal, biete viele Möglichkeiten und würde die Stadt attraktiver gestalten, besonders für junge Menschen.

Neben der Schule lernte die 23-Jährige ein wenig die deutsche Umgebung und das heimische Essen der Altmark kennen. „Zungenragout hatte sie probiert, aber lehnte dann doch ab“, sagte Meyer mit einem Schmunzeln im Gesicht. „Ebenfalls durfte die Hochzeitsuppe nicht fehlen.“ Und: Eine Weinverkostung in der Diesdorfer Mosterei war ebenfalls drin.

In der kommenden Woche kommt die Mutter von Claire-Isabelle Fournage zu Besuch, dann wollen beide Deutschland ein wenig unsicher machen und die Großstädte kennenlernen. Danach geht es für die 23-Jahrige zurück nach Frankreich. Dort will sie ihren Masterabschluss absolvieren und weiter in der Sozialpädagogik bleiben. Ob sie als Quereinsteigerin zurückkommt, bleibt abzuwarten.

VON PAUL WILLIAM HIERSCHE

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