Bürgermeisterin: Selbst verursacht

Salzwedeler haben Probleme mit Sperr- und anderem Müll

Sperrmüll in Salzwedel: Dazwischen liegt Abfall. Mülltouristen reißen Säcke auf und suchen nach Brauchbarem.
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Sperrmüll in Salzwedel: Dazwischen liegt Abfall. Mülltouristen reißen Säcke auf und suchen nach Brauchbarem.
  • Holger Benecke
    VonHolger Benecke
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Salzwedel – Dem Stadtratsvorsitzenden Gerd Schönfeld (Linke) platzte am Mittwoch während der Hauptausschusssitzung der Kragen: Während der gegenwärtigen Sperrmüllaktion war auch sein Haufen gewachsen.

Unbekannte hätten ihm zwei Tüten mit Müll vor die Haustür gestellt, die er dann in seiner Tonne entsorgt hat. „Ich kann das nicht mehr akzeptieren“, wetterte Schönfeld.

Video aus dem AZ-TV-Archiv (aus dem Jahr 2012)

Und ritt ebenfalls Attacken gegen jene, die mit Transportern vorführen, sich noch Brauchbares heraussuchten und die Säcke zerrissen, sodass sich der Müll auf den Straßen verteile. Schönfeld nannte das „Sperrmülltourismus“. Und dem will er einen Riegel vorgeschoben sehen.

Er riet, mit Vertretern des Altmarkkreises zu sprechen, um eine andere Regelung zu finden. Zum Beispiel die, dass sich jeder Haushalt bei Bedarf zu bestimmten Terminen Container bestellen könne.

Norbert Hundt (SPD / „Für Salzwedel“): „Wir haben im Kreistag lange darüber diskutiert. Die gegenwärtige Praxis ist die kostengünstigste Lösung für die Bürger.“ Was den Abgeordneten wundert: „Salzwedel ist der einzige Standort mit diesen Problemen.“

Mit der „kostengünstigsten Lösung für die Bürger“ konnte Gerd Schönfeld nicht so ganz mitgehen. Denn das Wegräumen der übrig bleibenden Nicht-Sperrmüllreste übernimmt der städtische Wirtschaftshof. „Dadurch wird den Bürgern der Stadt Geld entzogen“, führte Schönfeld ins Feld.

Ute Brunsch (Linke) setzte noch einen drauf. „Montagsfrüh sind die öffentlichen Papierkörbe voll mit Müll“, hat sie beobachtet und ärgert sich, dass die Salzwedeler statt ihrer Tonnen die Papierkörbe benutzen, um sich ihrer Abfälle zu entledigen. Darunter seien auch immer mehr Windeln, dachte Brunsch über eine Windelmülltonne nach.

„Wir müssen uns etwas einfallen lassen“, forderte die Fraktionsvorsitzende. Da reichte es Bürgermeisterin Sabine Blümel: „Wer verursacht denn diesen Müll?“ Die Antwort lieferte sie gleich mit: „Die Salzwedeler.“ Sie ist mit ihrem Latein am Ende. „Was sollen wir denn noch machen?“, fragte sie. Und bekam von Martin Schulz (Grüne / Bürgerbund) Recht.

VON HOLGER BENECKE

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