Ein Ort der Begegnung

Salzwedeler und Flüchtlinge kommen in der St.-Georg-Gemeinde zusammen

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Gemeindemitglied Jürgen Tobel (r.) hilft bei der hauseigenen Fahrradwerkstatt. Aber vor dem kaputten Kugellager müssen er und Ali kapitulieren.

Salzwedel. Frischer Waffelduft liegt in der Luft, der Raum ist erfüllt von einem quirligen Stimmengewirr. Kinder toben unter den Tischen hindurch, spielen gemeinsam, basteln.

Die Erwachsenen sitzen bei einer Tasse Kaffee gemütlich beisammen – von Scheu oder Berührungsängsten keine Spur.

Beim ersten Begegnungstreff in der St.-Georg-Gemeinde sitzen Salzwedeler und Flüchtlinge an einem Tisch. „Wir sehen es als unsere Aufgabe an, die Geflüchteten und Asylsuchenden bei uns willkommen zu heißen, ihnen zu helfen und das Einleben zu erleichtern“, erklärt Holle Huygen-Thurn von der St.-Georg- Gemeinde. Aber nur einfach zusammensitzen reicht den aktiven Gemeindemitgliedern nicht. „Wir haben uns überlegt, dass von diesen Treffen doch jeder etwas haben kann. Daher häkeln, stricken oder nähen wir gemeinsam und tauschen uns über unterschiedliche handwerkliche Fähigkeiten aus“, sagt sie.

Gemeinsam basteln und zusammen spielen – für Teo (7, l.) und Ali (5) ist das im Begegnungstreff der St.-Georg-Gemeinde überhaupt kein Problem. Und die Verständigung klappt mit Händen und Füßen.

Und das kommt an. Die Kinder schneiden, kleben und bemalen eifrig Osterhasen für das Fest, während die Erwachsenen am Nähtisch sitzen und plaudern. „Natürlich gibt es Verständigungsschwierigkeiten, aber bis jetzt haben wir das mit Händen und Füßen irgendwie regeln können. Und oft ist es so, dass die Kinder schneller Deutsch lernen als ihre Eltern und dann als Dolmetscher herhalten müssen“, lacht Holle Huygen-Thurn. Im Februar kam die Idee zum Begegnungstreff auf. 40 Personen kamen zusammen, und am Ende des Tages stand der Beschluss fest, den Treff zu organisieren.

Draußen, vor dem Gemeindebüro, ist eine kleine Fahrradwerkstatt aufgebaut. Isam, Mohammed und Ali aus Syrien sind seit gut vier Monaten in der Hansestadt. Während des Begegnungstreffs werkeln sie mit Gemeindemitglied Jürgen Tobel an kaputten Fahrrädern, flicken Schläuche und ziehen Schrauben nach. Die Stunden sind eine Ablenkung vom eintönigen Alltag in den Gemeinschaftsunterkünften.

„Wir wollen die Treffen auf jeden Fall weiterführen und hoffen, dass sich uns noch mehr Salzwedeler anschließen“, erzählt Holle Huygen-Thurn. Bereits am nächsten Mittwoch, 30. März, soll es weitergehen. Und für den 24. April ist etwas Besonderes geplant – da geht es gemeinsam ins Salzwedeler Kino.

„Treffpunkt ist um 15 Uhr bei uns am Gemeindehaus, und anschließend geht es in den Film ,Shaun das Schaf‘“, so Holle Huygen-Thurn. Und auch Sachspenden in Form von Wolle, Stoffen, Stricknadeln und Häkelnadeln sowie Werk- und Flickzeugspenden werden immer dankend angenommen.

Von Katja Lüdemann

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