Seit 130 Jahren vermittelt die Urania in Deutschland die neuesten Erkenntnisse der Wissenschaft

Salzwedeler Bildungsverein mit Potenzial

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Urania-Geschäftsführer Dr. Wolfgang Fölsch vor dem aktuellen Domizil des Salzwedeler Bildungsvereins an der Reichestraße. In der Hand hält er die Urkunde, die Landrat Michael Ziche zum 25. Geburtstag der Urania am 8. Juli 2016 verlieh. 

Salzwedel. „Um die Zukunft der Salzwedeler Urania ist mir nicht bange“, sagt deren Geschäftsführer Dr. Wolfgang Fölsch. Im Gegenteil: Die Urania ist einer der wenigen Vereine, der noch wächst. In diesem Jahr habe man das 200. Mitglied aufgenommen. Und das im Jubiläumsjahr.

Die Neugründung der Urania: Vorsitzende Ute Lippstreu, Karl-Heinz Reck und der damalige Landrat Egon Sommerfeld (v.l.). 

130 Jahre alt ist die Institution Urania im März geworden. Sie geht zurück auf den Naturwissenschaftler und Geographen Alexander von Humboldt. In den Jahren 1828 und 1829 hält der Gelehrte seine berühmten Kosmos-Vorlesungen. Mit denen will er die wissenschaftlichen Erkenntnisse und technischen Erfindungen seiner Zeit jedermann zugänglich machen. 60 Jahre später, 1888, wird die Idee von Werner von Siemens in Berlin aufgegriffen. Er wird Hauptaktionär, Geldgeber und Gründer der Urania. Zu den weiteren Gründungsmitgliedern zählt auch der Astronom Wilhelm Foerster.

„Ihre Blüte hatte die Urania in den ersten 25 Jahren ihres Bestehens“, weiß Fölsch. Zahlreiche Erfindungen und Entdeckungen veränderten das damalige Leben der Menschen grundlegend. Die Vermittlung dieses Wissens mit populärwissenschaftlichen Mitteln lockte die Menschen in die Vorträge, weiß Fölsch.

Der berühmte Naturforscher Alexander von Humboldt.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde eine Urania in Salzwedel etabliert. Im Mai 1954 gründete die DDR-Regierung die „Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse“. „Das war so etwas wie eine Urania. Hinzu kam noch ein politischer Auftrag“, sagt Fölsch. Eben im Sinne der damaligen Machthaber. Jeder Bezirk in der DDR und jeder Landkreis hatte seine Urania, hierarchisch organisiert. 1955 bekam Salzwedel seinen Ableger. „Vor allem Ärzte und Lehrer engagierten sich“, weiß Wolfgang Fölsch. Medizinische Vorträge seien beliebt gewesen. Das sei so geblieben. Die Urania zog damit auch über die Dörfer der Altmark. Heute halten Referenten der Urania nur auf Anforderung Vorträge außerhalb Salzwedels.

Mit der Wende wurde die DDR-Urania abgewickelt, berichtet Fölsch. Aber bereits im Juli 1991 gründete sich die Urania Salzwedel neu. Motor und erster Geschäftsführer war Helmut Bartels. Allerdings war der Start nicht einfach. „Staatliche Gelder bekamen wir nicht mehr.“ Also gründete man sich als Verein. Drei Jahre später wurde die Urania als Träger der Erwachsenenbildung durch das Land Sachsen-Anhalt anerkannt und bekam wieder staatliche Zuwendungen. Jedoch: „Die wird seit Jahren immer weniger“, meint der Geschäftsführer. Finanziell über die Runden zu kommen, sei ein steter Kampf.

Insofern bietet die Salzwedeler Urania neben den wissenschaftlichen oder gesellschaftspolitischen Vorträgen auch Bildungsreisen an. „Die erste führte uns 2001 nach Rom.“ Inzwischen gibt es für die Urania kaum noch einen weißen Flecken auf der Landkarte Europas. Fast alle Länder des Kontinents sind bereist worden. In diesem Jahr geht es noch nach Sizilien und ins russische Altai-Gebirge, nahe der Grenze zur Mongolei. „Das ist bisher unsere weiteste Reise“, Ute Lippstreu, Vorsitzende der Salzwedeler Urania seit ihrer Gründung. „Die Bildungsreisen der Urania sind es gewesen, die die Mitglieder gelockt haben und auch weiter anziehen“, berichtet Fölsch.

Von Jens Schopp

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