Geteilte Meinungen: Platzdebatte bis nach dem frohen Fest verschoben

Salzwedel: Weihnachten unterm Rathausturm

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Der Weihnachtsmarkt soll in diesem Jahr auf dem Rathausturmplatz bleiben. Danach will der Marketingausschuss noch einmal diskutieren – über einen eventuellen Rückzug auf den Marktplatz. 

Salzwedel – Während auf dem Marktplatz die Nysmarktbuden aufgebaut wurden, debattierte Salzwedels Marketingausschuss am Dienstag im Hansezimmer des Rathauses, ob der Weihnachtsmarkt auf dem Rathausturm- oder dem Marktplatz über die Bühne gehen soll.

Zurück auf den Marktplatz, so lautete ein Antrag der Freien Fraktion. Darin heißt es: „Dies ist der Wunsch des größten Teils der Salzwedeler. Die Sicherung und Überwachung des Marktes ist dort viel einfacher und kostengünstiger. “ Ein weiteres Argument: „Zudem lassen sich Interessenkonflikte mit ansässigen Ladenbesitzern vermeiden. “.

Volker Reinhardt (Freie Liste) ergänzte: „Viele Bürger und Geschäftsleute haben den Weihnachtsmarkt auf dem Rathausturmplatz gespalten gesehen.“ Auch kritisierte er den Autoscooter und die schmale Durchfahrt auf der Neuperverstraße, die er als Unfallquelle ansieht.

Bürgermeisterin Sabine Blümel erinnerte daran, dass die große Tanne verwaist auf dem Platz stand und sie es zunächst mit einem Adventsmarkt versucht hatte. Ab 2016 folgte dann der Weihnachtsmarkt dorthin. Und folgerte: „Alle waren begeistert.“ Es ginge ja auch nicht darum, dass nur die Salzwedeler zufrieden sind, sondern auch die Händler, damit sie wiederkommen, ergänzte Blümel. Die Stadt habe auf Wunsch der Werbegemeinschaft 43 000 Euro in die Infrastruktur des Rathausturmplatzes gesteckt. Und verbucht das als Erfolg: „Die Werbegemeinschaft hat für den Weihnachtsmarkt auf dem Rathausturmplatz von uns keine Zuschüsse bekommen, weil die Umsätze so sind, dass sie ohne Stadtgelder klarkommen.“

Der Ausschuss hörte auch den Vorsitzenden der Werbegemeinschaft, Jost Fischer. Nicolaiplatz, Breite Straße, Marktplatz, Rathausturmplatz listete dieser die bisherigen Stationen des Salzwedeler Weihnachtsmarktes auf. Man benötige schon zwei, drei Jahre, um einen Markt an einem neuen Ort zu entwickeln, so Fischer. Die Händler seien zufrieden gewesen auf dem Rathausturmplatz. Die Kunden auch. Der Autoscooter sei immer voll gewesen. Viele Kunden kämen aus Lüchow, so Fischer. Und: „Die kommen dann nicht mehr.“ Ein Umzug auf den Marktplatz würde in diesem Jahr so kurzfristig nicht mehr funktionieren. Die Verträge seien unterschrieben, das wäre so schnell nicht zu ändern. „Wenn es dann geändert werden soll – dann nicht mehr mit uns“, verkündete Fischer im Namen der Werbegemeinschaft. Und weiter: „Irgendwann ist auch Schluss mit der Meckerei.“

Bernd Zahn, der als berufener Bürger für die Freie Liste im Marketingausschuss sitzt, kann sich nicht vorstellen, dass in den Händlerverträgen ein konkreter Standort festgeschrieben ist. „Wozu ist denn der teure Marktplatz gebaut worden?“, fragte er.

Doch Fischer will die Händler nicht verärgern. „Die gehen nach Uelzen oder woandershin und kommen nicht wieder“, prognostizierte er.

Peter Lahmann (Bündnis 90 / Grüne) machte einen pragmatischen Vorschlag: „Wenn es kurzfristig nicht mehr machbar ist, stelle ich den Antrag, eine Entscheidung abzusetzen und nach dem Weihnachtsmarkt noch einmal zu diskutieren.“ Dem folgten alle Abgeordneten, inklusive der Antragsteller von der Freien Liste. Sie halten aber an ihrem Vorhaben fest. Volker Reinhardt: „Wir sollten den Weihnachtsmarkt auf dem Marktplatz perspektivisch ausbauen, um noch mehr Händler nach Salzwedel zu bekommen.“

VON HOLGER BENECKE

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