AUS DEM GERICHT: Unerschrockene Frau treibt alkoholisierten Einbrecher in die Flucht

Salzwedel: Im Vollrausch Garage verwüstet

Salzwedel – Es ist kurz vor fünf Uhr morgens im Mai 2020 als eine 49-Jährige aus Salzwedel von seltsamen Geräuschen aus dem Schlaf gerissen wird. Die Quelle des Gerumpels verortet sie in ihre Garage.

Ein Blick aus dem Fenster bestätigt den Verdacht: Soeben schiebt jemand ihren Motorroller hinaus auf die Zufahrt. Der ist voll beladen mit alkoholischen Getränken aus ihrem Partyvorrat. Außerdem hat der Eindringling sich ihren tragbaren Lautsprecher geschnappt.

Die Frau springt auf, läuft nach unten und stellt sich dem Einbrecher beherzt in den Weg. Was er da mache, fragt sie ihn und versucht, ihm den Partylautsprecher wieder zu entreißen. Nach kurzem Gerangel gelingt ihr das, und der Delinquent läuft davon.

Die Polizei wird alarmiert. Sie schnappt den Flüchtenden innerhalb der nächsten halben Stunde. In der Zwischenzeit ist auch der Mann der Garagenbesitzerin hinzugekommen. Den Eheleuten bietet sich ein Bild der Verwüstung: Überall umgeworfene, zerschlagene und ausgeschüttete Flaschen sowie herumgeworfene Gegenstände. Der Roller ist verkratzt und muss neu lackiert werden.

Ohne Lackierung und Aufräumarbeiten beläuft sich der Schaden auf rund 1350 Euro. Vor Gericht beteuert der 29-jährige Angeklagte, er könne sich an das Geschehen nicht vollständig erinnern. Er sei zum Tatzeitpunkt stark alkoholisiert gewesen und könne auch unter Drogeneinfluss gestanden haben.

Eine Bestrafung kann der Hartz IV-Empfänger mit diesem Argument nicht verhindern. Amtsrichter Dr. Klaus Hüttermann verurteilt den bereits mehrfach Vorbestraften, den die Geschädigte im Gerichtssaal wiedererkannt hat, wegen fahrlässigen Vollrauschs nach Paragraf 323 a Strafgesetzbuch. Dieser besagt, dass jemand für eine Tat auch dann bestraft werden kann, wenn er infolge eines Rausches schuldunfähig ist. Voraussetzung ist, dass er den Rausch vorsätzlich oder fahrlässig herbeigeführt hat. Das sah der Richter als gegeben an. Die Geldstrafe für den Täter: rund 1500 Euro.

Rubriklistenbild: © dpa/Picture-alliance/Peter Steffen

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