„Mehrere Hundertschaften“

Salzwedel: Polizei rüstet sich für AfD-Bürgerdialog und sechs Gegendemos

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Leitender Polizeidirektor Andreas Krautwald (r.) und Kreis-Dezernent Hans Thiele führen den Einsatz. Polizeirätin Tina Beck gehört zum Stab.

Salzwedel – Der Protest gegen den AfD-Bürgerdialog „Linksextreme Seilschaften aufdecken und bekämpfen“ am Freitag, 24. Januar, ab 19 Uhr im Salzwedeler Kulturhaus nimmt bereits heute, Mittwoch, 22. Januar seinen Anfang.

Von 17 bis 18 Uhr hat Jannik Brunke eine Demonstration am Kulturhaus unter dem Thema „Alle zusammen gegen den Faschismus. Gegen die Vermietung städtischer Räumlichkeiten an Rechtsextreme“ angemeldet.

Gestern erläuterten Polizei und Kreis-Ordnungsamt ihre Strategie zu dem für Freitag erwarteten Aufmarsch von über 800 Gegendemonstranten gegen die AfD-Veranstaltung im Kulturhaus. Dezernent Hans Thiele erläuterte zunächst die sechs angemeldeten Veranstaltungen. Während die AfD erst um 19 Uhr loslegt, beginnen die Demonstranten – Veranstalter ist das Aktionsbündnis Solidarisches Salzwedel – bereits um 15.30 Uhr am Bahnhof mit Protesten. Von dort wollen etwa 300 bis 500 Personen (alle Angaben stammen von den Antragstellern) zum Kulturhaus marschieren.

Der Kulturhausvorplatz ist für die Demonstranten tabu. „Die Stadt ist Eigentümer der Fläche, und der Platz ist nicht öffentlich gewidmet“, erläuterte Hans Thiele. Deshalb bleibt den vom Bahnhof kommenden Demonstranten nur das Areal am Wasserturm, um ihren politischen Willen bekunden zu können.

Die dort eintreffenden Demonstranten vom Bahnhof treffen dort auf eine Mahnwache (17 bis 21 Uhr) mit 50 bis 100 Teilnehmern, die ebenfalls vom Aktionsbündnis Solidarisches Salzwedel beantragt wurde.

Eine weitere Mahnwache von 17 bis 21 Uhr ist vom Naturerbeverein Vissum mit 50 bis 100 Teilnehmern beantragt. Standort: zwischen Café „Frida“, „Crazy World“ und Bibliothek. Die Diakonie Flüchtlingshilfe will zwischen 16 und 21 Uhr an der Ecke Chüden- / Altperverstraße mit 30 bis 50 Teilnehmern ebenfalls eine Mahnwache abhalten.

Letztendlich radeln noch Bündnis 90 / Die Grünen vorbei. Sie beziehen zwischen 17 und 21 Uhr einen Standort vor der Salus GmbH und veranstalten eine Fahrrad-Benefiz-Demo. Diese führt über die Straße Vor dem Neuperver Tor, die Altperver-, die Chüden-, die Große Sankt-Ilsen- und die Neuperverstraße. Für jede gefahrene Runde soll ein Beitrag gespendet werden.

Die Polizei will „mit mehreren Hundertschaften“, darunter auch Beamte aus anderen Bundesländern, anrücken. Der Leitende Polizeidirektor von der Polizeidirektion Stendal, Andreas Krautwald, erläuterte gestern die Strategie. So erwarten die Einsatzkräfte in der Innenstadt nur wenige Störungen. Sie setzen den Schwerpunkt auf den Bereich am Kulturhaus – insbesondere auf die Straße Vor dem Neuperver Tor, die beide Parteien voneinander trennen soll. Vollsperrungen werde es nicht geben, jedoch sei mit Behinderungen im Straßenverkehr zu rechnen, hieß es.

Für die seit 13 Monaten neu bestehende Polizeidirektion geht es nach einem Jahr Konsolidierung nun in die heiße Phase. Der AfD-Bürgerdialog und die Gegendemos sind der erste Einsatz für die Direktion, die diesen auch führt. Krautwald agiert dabei als Einsatzleiter im Zusammenwirken mit Kreis-Dezernent Hans Thiele.

„Wir wollen, dass alles störungsfrei abläuft. Und da hoffen wir, dass der Bürgerdialog vor allem an der Trennungslinie funktioniert“, will Krautwald, dass jeder, der will, die AfD-Versammlung besuchen kann und auch die Gegner ihre Meinung äußern können.

VON HOLGER BENECKE

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