Drogen an Minderjährige verkauft / Zeugen hatten Erinnerungslücken oder waren nicht da

Salzwedel: Fünf Monate Gefängnis für zwei Gramm Gras

Salzwedel – Gestern wurde im Salzwedeler Amtsgericht ein Urteil in einem Fall von Drogenverkauf an Minderjährige gefällt. Ein junger Afghane musste sich deswegen vor Gericht verantworten.

Der Angeklagte hatte Anfang September 2018 Gras an zwei damals 16-Jährige verkauft – zwei Gramm für 20 Euro.

Die Aussagen während des Verhandlungstages in der vergangenen Woche (wir berichteten) waren ein einziges Hin und Her. Keiner der beiden Jugendlichen, denen der 22-jährige Afghane Drogen verkauft hatte, wollte sich festlegen. „Ich bin mir nicht zu 100 Prozent sicher“, beteuerten die mittlerweile 17-jährigen Zeugen. Pikant: Der Angeklagte hatte vor der Zeugenbefragung längst gestanden. Da zwei der insgesamt fünf Zeugen nicht erschienen waren, sprach Amtsgerichtsdirektor Dr. Klaus Hüttermann gestern das Urteil.

Die Staatsanwältin berücksichtigte einen der beiden vorgeworfenen Drogenverkäufe in ihrem Plädoyer nicht. Grund: Die Anschuldigung basierte auf Hörensagen. Sie forderte sechs Monate Haft, die auf zwei Jahre Bewährung ausgesetzt werden sollten. Dabei berücksichtigte die Staatsanwältin, dass der 22-Jährige bislang nur ein minimales Vergehen auf seinem Kerbholz hat: Er war Pkw gefahren, hatte aber keinen Führerschein und wurde erwischt.

Der Anwalt des Angeklagten bot für seinen Mandanten eine Freiheitsstrafe von drei Monaten an, die auf Bewährung ausgesetzt werden sollte. Richter Hüttermann rückte in seinem Urteil näher an die Staatsanwaltschaft heran: fünf Monate Haft auf drei Jahre Bewährung ausgesetzt. Er begründete: Es habe sich „nur um weiche Drogen“ gehandelt. Sollte der Angeklagte sich jedoch in den kommenden drei Jahren weitere Straftaten zu Schulden kommen lassen, dann wandert er für fünf Monate ins Gefängnis, machte der Amtsgerichtsdirektor deutlich. „Manche Strafen sind symbolisch und das hier ist so eine. Wir wollen Sie mit diesem Urteil warnen“, schloss Hüttermann. Verteidigung und Staatsanwaltschaft nahmen das Urteil an und wollen keine Rechtsmittel einlegen.  lz

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