IM GERICHT: Angeklagte können sich nicht mehr erinnern

Salzwedel: Cousins attackieren vermeintlichen Freund – Opfer nimmt Angreifer in Schutz

Salzwedel – Zwei Cousins (31) und (24), beide syrischer Herkunft, sollen einem vermeintlichen Freund, ebenfalls Syrer, einen Tritt in die Magenkuhle gegeben und ihm eine Bierflasche über den Kopf gezogen haben.

Während der Gerichtsverhandlung gestern entschuldigte sich das Opfer mehrmals bei den Tätern und versuchte, die Situation zu relativieren. Dieses Verhalten konnte Amtsrichter Dr. Klaus Hüttermann im Gerichtssaal nicht verstehen.

Der 24-Jährige soll auf dem Rathausturmplatz am 14. Juni 2018 mit seinem vermeintlichen Freund und späteren Opfer etwas herumgealbert haben. Aus Spaß wurde ein Schlagabtausch. Der ältere Cousin wollte den 24-Jährigen angeblich schützen und zog dem Syrer eine Bierflasche über den Kopf, woraufhin dieser stark blutete und ins Krankenhaus gebracht werden musste.

Als der 31-Jährige zu der Tat befragt wurde, konnte er sich daran nicht mehr erinnern. „Ich habe Wodka getrunken, und als ich wieder zu mir kam, war ich in meiner Wohnung“, schilderte der Mann. Der jüngere Cousin beteuerte ebenfalls, unschuldig zu sein und gab dem Richter mehrmals zu verstehen, dass er den Syrer nicht verletzt hätte.

„Ich saß auf einem Stuhl am Rathausturmplatz. Wir waren mehrere Leute, und daher habe ich nichts Genaueres sehen können“, sagte der 24-Jährige. „Da lag der Mann verletzt auf dem Boden. Ich wollte ihm helfen und fragte, was passiert sei.“ Als Hüttermann das Opfer befragte, nahm dieses die Angreifer in Schutz und wollte sogar die Gerichtskosten übernehmen. „Beide waren doch betrunken. Nüchtern hätten sie das nie gemacht“, versuchte der Syrer dem Richter zu erklären.

„Sie haben sich nach der Tat auch bei mir entschuldigt, und wir sind wieder Freunde.“ Bei der Polizei hatte er nach der Tat einen anderen Hergang beschrieben. Demnach wäre der jüngere Cousin auf den Syrer zugegangen und hätte gefragt, was dieser über ihn erzählt hätte. Daraufhin soll der 24-Jährige dem Syrer an den Hals gegriffen und in die Magenkuhle getreten haben. Kurz darauf flog die Bierflasche aus Richtung des 31-Jährigen. Das Opfer blieb dabei, dass die beiden Angeklagten unschuldig seien. Er wolle keinen weiteren Schaden anrichten, beteuerte er. Der Richter verstand das Verhalten des Mannes nicht und setzt den Prozess fort.  hwp

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa / Peter Steffen

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