Inspiriert vom amerikanischen Modell

Salzwedel: Chefarzt gibt Posten für eigene Praxis auf

Arzt und Arzthelferinnen in chirurgischer Praxis
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Das Team um Dr. Jens Ruff: Die Arzthelferinnen Steffi Wernecke (v.r.), Sophie Martin und Christin Köckert bringen allesamt chirurgische Praxiserfahrung mit.
  • Ulrike Meineke
    VonUlrike Meineke
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Vom Chefarzt in die Selbstständigkeit – diesen Schritt hat Dr. Jens Ruff mit dem 2. August praktisch vollzogen. Inspiriert worden sei er vom amerikanischen System, erzählt der Salzwedeler Chirurg. „Ich dachte mir, dass dieses System gut für unsere Region wäre“, womit der 51-Jährige das Alles-aus-einer-Hand-Modell meint. Der Patient geht zum Chirurgen, der auch die Diagnose stellt, Aufklärungsarbeit leistet und wenn nötig auch selbst operiert. „Ein Ansprechpartner – das schafft Vertrauen beim Patienten“, ist sich der erfahrene Mediziner sicher.

Salzwedel – Infrastrukturell brauche er aber auch das Krankenhaus, wenn größere operative Eingriffe als in seiner Praxis machbar erforderlich sind. Und das Altmark-Klinikum, in dem Dr. Ruff viele Jahre tätig war, profitiert wiederum von dessen Expertise. 2014 kam Dr. Ruff zurück nach Salzwedel, war bis Ende 2016 Leitender Oberarzt und seit Januar 2017 Chefarzt am Altmark-Klinikum in Salzwedel.

In der Kreisstadt ist Dr. Jens Ruff der einzige Chirurg in dieser Art Niederlassung. Ansonsten gibt es noch das Fachärztezentrum in der ehemaligen Poliklinik mit einer Chirurgin und einem stundenweise tätigen Unfallchirurgen/Orthopäden. Eine dazu analoge Einrichtung existiert dann erst wieder in Gardelegen. Als die Kassenärztliche Vereinigung (KV) einen Kassensitz für Salzwedel ausgeschrieben hatte, „gab mein Vater den Stein des Anstoßes“. Dr. Gerhard Ruff hatte die Anzeige gesehen und seinen Sohn daraufhin angesprochen. So reifte die Idee und es dauerte etwa ein halbes Jahr, bis alles unter Dach und Fach war. Räume und Personal mussten gefunden und die rechtlichen Dinge festgezurrt werden.

Apropos Personal: Entgegen dem allgemeinen Trend des Fachkräftemangels hatte der Chirurg keinerlei Probleme, geeignete Arzthelferinnen zu finden. Alle drei Frauen, die in der Praxis an der Altmarkpassage 3b (zwischen Tedi und Apotheke) tätig sind, bringen chirurgische Erfahrung mit. „Das Team passt gut und funktioniert gut zusammen“, so die Erfahrung der ersten Woche. Das sei „die Hauptsache“.

Die Praxisräume wurden allesamt von der Decke über die Fenster bis zum Fußboden grundhaft renoviert und modern ausgestattet. „Die Patienten sollen sich wohlfühlen“, sagt der Chirurg. Deshalb hätten die Räume auch eher einen wohnlichen als einen sterilen Charakter, seien aber „natürlich zweckgebunden ausgestattet“. In jedem Raum hängen Monitore für die Unterhaltung und Information der Patienten.

„Ich wollte in meinem Beruf immer aufgehen, das versuche ich jetzt mit eigenen Rahmenbedingungen“, sagt Dr. Jens Ruff abschließend. Insbesondere schätze er die familiäre Atmosphäre in der Praxis und im Team.

Die Reaktionen auf seinen Schritt in die Selbstständigkeit in den sozialen Medien seien „durchweg positiv“ gewesen.

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