IM GERICHT Streit mit vollem Körpereinsatz / 2970 Euro Geldstrafe

Salzwedel: 71-Jähriger will Beamten Eimer entreißen

Salzwedel – Ein 71-jähriger Mann hat nach Auffassung des Salzwedeler Amtsgerichts einen Vollstreckungsbeamten angegriffen. Das Urteil: Eine Geldstrafe statt Bewährung.

An der Großen Pagenbergstraße hatte ein Rentner mit Steinen gefüllte Eimer auf die Straße vor seiner Wohnung gestellt. Damit markierte er einen Parkplatz für sich.

Der körperlich Behinderte schaffe es nicht mehr, so weit zu laufen, sagte er. Zwei Politessen stellten aber mehrfach die Eimer zur Seite und wiesen den Mann darauf hin, dass sein Handeln rechtswidrig sei. Doch der 71-Jährige wiederholte sein Eimeraufstellen mehrfach. Am 1. Oktober 2019 nahm dann ein Vollstreckungsbeamter die Eimer auf und wollte diese konfiszieren.

Der Angeklagte kam in diesem Moment zurück, bemerkte ihn und einen Kollegen und eilte ihnen hinterher. Im nächsten Moment soll der körperlich behinderte Mann auf den Rücken eines Vollstreckungsbeamten gesprungen sein, um an seine Eimer zu gelangen. Es entstand ein Gerangel um die Eimer. Immer wieder habe der Angeklagte die Arme nach seinem Eigentum ausgestreckt. Infolgedessen soll der 71-Jährige dem Beamten in die Rippen gestoßen haben und diesem mit der Faust an die Kehle und an die rechte Schulter gegangen sein.

Die Kollegin des angegriffenen Beamten holte in der Zwischenzeit die Polizei. Der 71-Jährige soll daraufhin an einer der Hauswände festgehalten worden sein, bis die Polizisten eintrafen.

Die beiden Politessen sagten vor Gericht als Zeugen aus und gerieten jeweils mit dem Angeklagten in Streit über den Tathergang. Der Angeklagte hielt an der Meinung fest, er habe nichts gemacht. Des Weiteren behauptete er, von dem Beamten angegriffen worden zu sein.

Auch ein Ehepaar – Nachtbarn des Angeklagten – sagten als Zeugen vor dem Amtsgericht aus. Die EU-Rentnerin und der Verkaufsfahrer setzten den Beschuldigten in ein gutes Licht.

Richter Dr. Klaus Hüttermann hielt seine Meinung nicht zurück: „Ich glaube Ihnen nicht. Nachdem was ich gehört habe, ist eine Verurteilung wahrscheinlich“, erklärte er in Richtung des Angeklagten. Auch die Staatsanwältin teilte die Ansichten des Richters und forderte in ihrem Plädoyer drei Monate Haft, aber aussetzbar bei einer Geldstrafe von 90 Tagessätze zu je 33 Euro, also insgesamt 2970 Euro.

Und genauso fiel später das Urteil von Richter Hüttermann auch aus. „Eigentlich gibt es keine Geldstrafe für ein solches Vergehen“, machte er in Richtung Anklagebank deutlich. „Wir haben bei Ihnen jedoch eine Ausnahme gemacht.“ Der Angeklagte äußerte sich dazu nicht weiter. lz

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa / Peter Steffen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare