57-mal DRK-Geld genommen

Salzwedel: 62-Jährige wegen Untreue angeklagt

Der Hauptverhandlungssaal im Amtsgericht Salzwedel.
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Der Hauptverhandlungssaal im Amtsgericht Salzwedel.
  • Jens Heymann
    vonJens Heymann
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Im Salzwedeler Amtsgericht hat am Dienstag der Untreue-Prozess gegen die ehemalige Finanzbuchhalterin des Kreisverbands des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) begonnen.

Salzwedel – Der 62-jährigen Angeklagten aus der Verbandsgemeinde Beetzendorf-Diesdorf wird vorgeworfen, zwischen 2016 und 2018 insgesamt 57-mal Geld aus der Vereinskasse für private Zwecke entnommen zu haben. Es geht um einen Schaden von 97 800 Euro.

Das Verlesen der Anklageschrift durch die Staatsanwältin nahm mehrere Minuten in Anspruch. Beginnend am 8. Januar 2016, habe die Angeklagte per EC-Karte oder mit Schecks Geld vom DRK abgezweigt. Zuletzt am 19. Dezember 2018, meist Beträge von 1000 oder 2000 Euro.

Am Dienstag nun wurden die Hintergründe, die Motivation der Angeklagten und auch der Verbleib des Geldes noch nicht erörtert. Dies soll erst in der kommenden Woche, am Dienstag, 16. März, ab 9 Uhr im Rahmen eines vollumfänglichen Geständnisses der 62-Jährigen geschehen. Die Aussage soll explizit aufklären – ob der Untreuevorwurf überhaupt zutrifft, wie die Angeklagte vorgegangen ist, wo ein bestimmter Stempel herkam und abgeblieben ist, warum das Geld entwendet wurde und was daraus wurde. Dabei sei eine Vielzahl von Konten festgestellt worden, hieß es.

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Dr. Klaus Hüttermann ließ trotz der vielen ungeklärten Fragen bereits im Vorfeld das mögliche Strafmaß durchblicken – unter Voraussetzung des erwähnten Geständnisses. So erwarte die Angeklagte eine Maximalstrafe von zwei Jahren, ausgesetzt zu einer langen Bewährungszeit. Gericht, Verteidigung und Staatsanwaltschaft haben dazu schon im Vorfeld ein sogenanntes Rechtsgespräch geführt, erklärte Richter Hüttermann.

Neben der strafrechtlichen Verhandlung muss die Frau außerdem arbeitsrechtliche Verfahren hinter sich bringen. Dabei geht es unter anderem um eine Kündigungsschutzklage und ganz besonders um das (teilweise) Wiedergutmachen des Schadens gegenüber dem DRK. Ihr Anwalt nannte vor Gericht die Summe von 60 000 Euro, die durch den Verkauf der Immobilie der Angeklagten zurück ans DRK gehen soll.

Über die Angeklagte, die während der knapp einstündigen Verhandlung am Dienstag kein Wort sagte, fielen im Gerichtssaal unvorteilhafte Äußerungen. Sie habe sich in einem früheren Bußgeldverfahren als „äußerst unbelehrbar“ erwiesen, hieß es. Außerdem war die Rede von „erheblicher krimineller Energie“. Kein Wunder also, dass das Schöffengericht auf die ausführliche Zeugenaussage nächstes Mal pocht.

Bis zum nächsten Zusammenkommen im Amtsgericht wolle der Anwalt der Angeklagten deren Geständnis in den gewünschten Umfang bringen, erklärte er. Die Staatsanwältin wiederum drückte ihr Unverständnis über die Verzögerung aus, da im Vorfeld bereits Absprachen getroffen worden seien. Richter Hüttermann unterbrach die Verhandlung trotzdem – Fortsetzung Dienstag.

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