Urania führte durch die Innenstadt / Burgturm und Hohe Brücke im Interesse

Sagenhaftes Salzwedel

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Im Burgturm der Jeetzestadt waren die wenigsten Besucher der Führung schon einmal. Für den gebürtigen Salzwedeler Frank Maikowski (3.v.l.) war es der erste Besuch in seinen 61 Jahren.

ann Salzwedel. Frank Maikowski wohnt seit 61 Jahren in Salzwedel. Doch im Burgturm war er noch nie gewesen. Schon aus diesem Grund hat sich für ihn und seine Frau die Sagenführung der Salzwedeler Urania am Sonntag gelohnt.

Doch Frank Maikowski hatte noch einen besonderen Gast aus Kanada mitgebracht. Seine Cousine Doris Burrows aus Toronto war in der Jeetzestadt zu Besuch und verfolgte die Sagenführung von Andrea Koball mit großem Interesse.

Doch bevor es in den um 800 erbauten Burgturm ging, erfuhren die Anwesenden von der Gästeführerin Wissenswertes über die Sagenstraße. „Diese wurde 2003 von Arno Sommerfeld ins Leben gerufen. Seit 2007 gibt es in der Innenstadt fünf und in Chüttlitz, Seeben, Kuhfelde, Brietz und Osterwohle jeweils eine Sagentafel“, informierte Koball. Schon an der ersten Station der Führung an der Katharinenkirche gibt es die Sage vom Fugenmörtel. Der Sage nach sollen sich früher Soldaten, die in den Krieg gezogen sind, und kranke Menschen den Mörtel der Fugen des Gemäuers in die Tasche gesteckt haben, damit sie unbeschadet aus dem Krieg zurückkehren bzw. wieder gesund werden.

Auf der Hohen Brücke erfuhren die Anwesenden, dass im Jahr 1807 das letzte Schiff auf der Jeetze in Richtung Hamburg fuhr.

Zuvor hörten die Besucher die Sage von einem Salzwedeler Bürger, der sich einst 50 Taler geborgt hatte und die Schuld nicht zurückzahlte. Er stand sogar vor dem Richter, und dabei bat der Angeklagte, dass der Kläger seinen Gehstock hält, um zu schwören, dass er das Geld bereits an diesen zurückgezahlt habe. Der Schwur galt, und der Angeklagte wurde freigesprochen. Der Gläubiger wurde danach schief angesehen, zudem ratlos und wütend. Wenige Zeit später betrat der Betrüger die Straße und wurde dabei von einem Pferdewagen überrollt und starb qualvoll. Dabei zerbrach auch der hohle Gehstock, in dem sich die 50 Taler befanden. Damit hatte er vor Gericht beim Schwur die Wahrheit gesagt. Dieser böse und auch hinterlistige Streich ging in Salzwedel in die Geschichtsbücher als „Der Meineidige der Neustadt zu Salzwedel“ ein. An der Station Hohe Brücke informierte die Gästeführerin die Anwesenden, dass im Jahr 1807 das letzte Schiff von Salzwedel nach Hamburg fuhr. „Damit die Schiffe unter der Brücke entlang fahren konnten, war sie nach oben gewölbt“, sagte Andrea Koball.

Am Steintor hörten die Frauen und Männer die Sage von einem Bauern, der den Stadtwächter um eine Steuerschuld betrog. Beim ersten Mal nach Schließung des Tores musste er seinen Sack vor den Augen des Stadtwächters auskippen. Sehr zum Entsetzen des Wächters war der Sack voller Pferdeäpfel. Beim zweiten Mal, als der Bauer wieder zu spät in die Innenstadt wollte und die Tore schon geschlossen waren, musste er seinen Sack dem Stadtwächter nicht zeigen, weil er wieder Pferdeäpfel darin vermutete. Aber im Sack befand sich ein geschlachtetes Kalb, und damit habe der Bauer im weitestgehenden Sinne Steuern hinterzogen, so Andrea Koball.

Dass es an der Reichestraße eine arme und reiche Seite gibt, wussten die wenigsten. „Die armen Leute wohnten an der Jeetze und die Reichen an der anderen Seite, wo noch Land hinter dem Haus war“, berichtete die Gästeführerin.

Nicht nur Frank Maikowski war zum ersten Mal im Burgturm. Auch einige andere Besucher des nicht alltäglichen Rundgangs betraten das Gemäuer zum ersten Mal in ihrem Leben. Um 800 wurde der Turm errichtet und im Jahr 1737 vier Meter Dach abgetragen. Bis heute ist das historische Baudenkmal in der Stadtmitte 24 Meter hoch, so Andrea Koball.

Die Führung endete nach knapp zwei Stunden mit dem Besuch des Nicolaiplatzes, der Marienkirche und des Adam- und Eva-Hauses.

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