150 Säulen unter die Kirche setzen

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Präses Dr. Frieder Oßwasld (vorn, l.) freut sich, dass die Rettungsaktion für Sankt Katharinen angelaufen ist. Michael Hoppe von der BBG-Betonbohr Celle GmbH bohrt die Säulen in der Westhalle an. Hinter ihm steht Oberbauleiter Dirk Essing (gelbe Weste).

Salzwedel – Von Holger Benecke. „Die Rettungsaktion für die Katharinenkirche hat begonnen“, verkündete gestern ein strahlender Dr. Frieder Oßwald. Der Präses hatte zur Besichtigung der Arbeiten ins Gotteshaus eingeladen. Die Bauleute standen für Ausküfte bereit.

Die Grundlage, nämlich das nötige Geld, ist vorhanden. Rund 580 000 Euro werden benötigt, um die kippende Westhalle zu stabilisieren. Spenden kamen aus Salzwedel und aus ganz Deutschland. Zudem sind das Land, die Stadt, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die Reemtsma-Stiftung, der Kirchenkreis und natürlich die Katharinengemeinde mit im Boot – sozusagen im Kirchenschiff.

Nach den Baugrunduntersuchungen und dem Freilegen der Fundamente (wir berichteten), sind nun die eigentlichen Arbeiten angelaufen. Das Dach und die beiden Gewölbe der Westhalle drücken auf die beiden Säulen in der Kirche und auf die Westwand, die sich bereits nach außen neigt. Die Wandneigung wird auch nach Abschluss der Arbeiten bleiben. „Wir frieren den gegenwärtigen Zustand ein“, sagte Architekt Jan Bodenstein aus Wittenberge, der die Katharinen-Rettung leitet.

Er kämpft zunächst gegen die Horizontalkräfte, die auf Außenwand und Säulen wirken. Die Fundamente können diese nicht auffangen, denn sie bestehen lediglich auf lose aufeinander geschichte Feldsteine und sind lediglich einen Meter hoch. „Das ist nicht einmal frostsicher“, ließ Bodenstein durchblicken. Im ersten Schritt werden diese angebohrt, verfüllt und Anker gesetzt, um überhaupt erst einmal eine Stabilität zu erreichen.

Denn im zweiten Schritt wird Stück um Stück der Baugrund darunter mit einem speziellen Verfahren aufgeschwemmt und im gleichen Moment mit Zement verfüllt, sodass unter den acht Meter hohen Säulen und dem ein Meter hohen Fundament noch einmal Säulen entstehen, die bis 6,50 Meter in die Tiefe reichen. Erst dort treffen diese nämlich auf festen Baugrund.

Der Oberbauleiter, Diplom-Ingenieur Dirk Essing, erläuterte das Verfahren. Seine Firma, die Keller Grundbau GmbH aus Fallingbostel, hatte das spezielle Verfahren vor 30 Jahren aus Japan erstmals in Deutschland eingeführt und verfügt umfangreiche Erfahrungen auch in Sachen Kirchensanierung wie zum Beispiel am Brandenburger Dom. HDI, sprich Hochdruckinjektion oder Soilcrete – Bodenbeton- bzw. Düsenstrahlverfahren wird es von den Fachleuten genannt.

Dabei wird unter die Katharinenkirche gebohrt. Die Löcher haben einen Durchmesser von 20 Zentimetern und aus dem Bohkopf tritt ein Hochdruckstrahl ähnlich wie bei einem Kärcher nur mit 200 Meter in der Sekunde, der von einer 500-PS-Pumpe erzeugt wird. Dadurch wird der Boden aufgeschwemmt und zugleich mit Beton gefüllt. Durch die Drehung des Gestänges entsteht eine Scheibe und durch das Herausziehen eine Säule. Rund 150 dieser 6,50 Meter tiefen Stützen mit 1,20 Meter Durchmesser werden unter die Westhalle der Katharinenkirche gesetzt.

Um die Vertikalkräfte aufzufangen, die die Westwand neigen, soll der gerissene gothische Anker unter der Gewölbedecke ersetzt werden. „Und wenn es nicht zu großen Setzungen kommt, werden wir am Dach nichts machen brauchen“, prognostizierte Architekt Bodenstein gestern.

Abschließend verkündete er: „Bis Ostern ist die Gründung saniert.“ Das freut besonders die Gemeindemitglieder von Sankt Katharinen, denn zu Ostern kann die große Glocke geläutet werden, ohne dadurch Auswirkungen der Schwingungen auf das Bauwerk befürchten zu müssen.

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