Gefährliche Impflücken

Sachsen-Anhalts Landesregierung setzt auf Überzeugung statt auf eine Pflicht

Magdeburg – Die Altmark verzeichnet im Bundesvergleich eine überdurchschnittliche Impfquote. Lücken gibt es jedoch beim Nachwuchs.

„Jedes fünfte Kind in Sachsen-Anhalt weist keinen vollständigen Impfschutz gegen Masern auf“, nannte Axel Wiedemann, Landesgeschäftsführer der Barmer, ein Beispiel aus dem gestern präsentierten Arzneimittelreport der Krankenkasse.

Es gebe aber noch immer erhebliche Lücken. So hätten 2,6 Prozent der in Sachsen-Anhalt geborenen Kinder in den ersten beiden Lebensjahren überhaupt keine der 13 empfohlenen Impfungen erhalten (Stand 2015). Das mache die Ausrottung bestimmter Infektionskrankheiten unmöglich. Andere Bundesländer, zumeist die mit deutlich stärkerer Wirtschaftskraft, wie Bayern, Baden-Württemberg oder Niedersachsen, stehen laut Studie wesentlich schlechter da. Eine Ursache dafür vermochte Wiedemann nicht zu benennen.

Gesundheitsstaatssekretärin Beate Bröker, Barmer-Landesgeschäftsführer Axel Wiedemann und Pressesprecher Christopher Kissmann, stellten den Bericht vor.

In der DDR waren die meisten heute empfohlenen Imfungen, zum Beispiel gegen Masern, Tetanus, Poliomyelitis (Kinderlähmung), Röteln, Mumps (Ziegenpeter), Keuchhusten oder Diphterie, obligatorisch. Entsprechend konnte ein fast vollständiger Durchimpfungsgrad verzeichnet werden. Einige gefährliche Krankheiten galten als weitgehend ausgerottet. Heute erkranken auch in Sachsen-Anhalt wieder viele Kinder daran. So wurden 2018 zum Beispiel landesweit zehn Fälle von Masern und 430 Fälle von Keuchhusten (54 im Altmarkkreis / 75 im Landkreis Stendal) registriert.

Die Landesregierung will „mehr durch Überzeugung, als durch Pflicht wirken“, um die Menschen zur Impfung zu motivieren, sagte Gesundheitsstaatssekretärin Beate Bröker. Schon in der Kita werde begonnen, Aufklärungsarbeit zu leisten. Sie sieht das Land im Bereich des Impfschutzes auf einem guten Weg: „Wir können aber noch besser werden.“ Militante Impfgegner gebe es in Sachsen-Anhalt nicht.

Bröker rief dazu auf, die jetzt wieder beginnenden Grippeschutzimfung wahrzunehmen. Seit dem vergangenen Jahr falle der Schutz besonders gut aus, da die Immunisierung mit einem Vierfachimpfstoff erfolge, unabhängig der Kassenzugehörigkeit. Der Imfstoff sei bereits geliefert und auch in ausreichendem Umfang verfügbar, versprach Wiedemann.

VON CHRISTIAN WOHLT

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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