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Roswitha Tanne weiß: Gegen jedes Wehwehchen wächst ein Kraut

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Von: Ulrike Meineke

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Frau im garten
Roswitha Tanne an ihrer Kräuter-Spirale: Rechts ein Strauch Muskat-Salbei, der dem ursprünglichen Salbei so gar nicht ähnlich sieht, aber als Tee auch bei Halsschmerzen, zum Beispiel bei einer Corona-Erkrankung, hilft. Außerdem wachsen dort Zitronenmelisse, Orangen-, Erdbeer-, Schoko- und Apfelminze (alles als Tee erfrischend im Sommer), Kümmel-Thymian, Oregano, Petersilie und viele Kräuter mehr. © Meineke, Ulrike

Roswitha Tanne ist 78, ihr Mann Heinz 82 Jahre alt. „Jung“ sollte man besser sagen, denn das Paar ist ziemlich fit. Und so gut wie nie krank. Die Tannes glauben, dass das daran liegt, dass sie ganz viel draußen sind, sich viel bewegen, sich von dem ernähren, was ihr Gartenparadies so hergibt – und vor allem, weil „Kräuter-Oma“ Roswitha weiß, welches Kraut gegen welches Wehwehchen gewachsen ist.

Salzwedel – Seit fast 30 Jahren leben die Tannes von Anfang April bis Ende Oktober in ihrem Garten an der Salzwedeler Reimmannstraße. Die Wintermonate verbringen sie im Plattenbau an der OdF-Straße. Gärtnern war schon immer die Leidenschaft der heute 78-Jährigen.

Schon als junge Frau sei ihr ein Partner wichtig gewesen, der diese Passion teilt. Und den fand sie in ihrem Heinz. Der hatte den Garten an der Reimmannstraße schon seit Anfang der 60er Jahre. Im Jahr 2006 wurde der Nachbargarten dazu gekauft, sodass sich die Eheleute voll und ganz in ihrem Refugium wirklichen können. Und das tun sie.

„Habe schon als Kind Kräuter gesammelt“

„Ich habe schon als Kind Kräuter gesammelt“, erzählt die Frau mit dem grünen Daumen. „Sogar mit amtlichem Ausweis“, fügt sie hinzu. Denn in ihrer ursprünglichen Heimat, in Sachsen, habe sie nach einer Schulung den entsprechenden Ausweis erhalten, mit dem sie auch geschützte Kräuter sammeln durfte. Sie hat sich immer weitergebildet – „über Fernsehen, Bücher und Erfahrungsaustausch“. Einiges schreibt sie sich auf, „aber das Meiste merke ich mir“.

Himbeeren
Himbeerblatt-Tee hilft bei Blasenentzündung. © IMAGO

Zu Geburtstagen verschenkt die Kräuterfrau gern einen Korb mit ihren selbst gemachten Marmeladen und Tüten mit selbst getrocknetem Tee, dazu gibt es den passenden Spruch (siehe Infokasten) auf dem Tütchen. Und weil sie gar nicht so viel selbst verwerten und verschenken kann, wie da in den Gläsern und Flaschen landet, verkauft sie die veredelten Produkte aus ihrem Garten an einem kleinen Stand vor ihrem grünen Paradies.

Mädesüß
Mädesüß: „Wundermittel gegen Kopfschmerzen“. © dpa

Aktuell stehen da Marmeladen, Gelees und ihr berühmt-berüchtigter Holunderblütenlikör. „Ich hatte mal Gewürzgurken nach einem uralten Rezept gemacht, in einer Senfsoße, die waren ruckzuck vergriffen und wurden immer wieder nachgefragt“, erzählt die Rentnerin. Die meisten ihrer Stammkunden wollen übrigens keine Marmelade mit Gewürzen.

„Die Leute möchten pur“

„Die Leute möchten pur“, weiß die Expertin. Und zu „pur“ gehört für sie auch, dass sie die Etiketten per Hand schreibt. Seit einem Besuch vom Lebensmittelamt geht das aber nicht mehr. „Die verlangen gedruckte Etiketten mit Angabe des Inhalts und der Haltbarkeit“, sodass sich die Gärtnerin einen Laptop gekauft und ein Etiketten-Programm aufgespielt hat.

Huflattich
Huflattichblatt-Tee lindert Husten. © dpa

Wenn am Wochenende der Sommer mit Temperaturen jenseits der 30 Grad-Marke hereinbricht, wird Roswitha Tanne sicherlich oft an ihrer Kräuterspirale stehen. Denn sie weiß: „Die beste Erfrischung sind Minze- und Melissen-Tees, nicht eiskalt serviert, mit einem Schuss Zitrone.“ Dazu müssen die Blätter nicht getrocknet sein: „Einfach die frischen Blätter aufgießen.“ Sie empfiehlt bei Hitze zudem leichte Kost, zum Beispiel einen Salat mit Dillsoße und dazu Spiegelei.

Salbei-Tee bei Corona-Beschwerden

„Ich mache das Meiste mit Tee“, betont die Kräuter-Oma. Soll heißen: Für leichtere Wehwehchen „brauche ich keinen Doktor“. Drei Tage Himbeerblatt-Tee helfe beispielsweise bei entzündeter Blase, zwei Tassen Huflattich-Tee täglich seien gut bei Husten, Hopfen-Tee bei Schlafproblemen.

Mädesüß, zu finden auf Wiesen und an Wegesrändern, sei „ein Wundermittel gegen Kopfschmerzen“. Einfach eine Blüte zerdrücken, kauen und den Extrakt wieder ausspucken.

salbei
Corona-Tipp: Salbei-Tee bei Halsschmerzen. © dpa

Wer an Corona erkrankt ist und Halsschmerzen hat, dem empfiehlt die Fachfrau Salbei-Tee. „Man kann viele Beschwerden lindern und die Genesung unterstützen“, ist sie sich sicher.

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