Frau muss sich vor Amtsgericht Salzwedel verantworten

61-Jährige rammt Transporter und fährt davon – Richter: „Sie merken das nicht?“

Salzwedel – Für einen von ihr verursachten Verkehrsunfall mit anschließender Fahrerflucht auf der Schillerstraße in Salzwedel musste sich eine 61-Jährige am Freitag vor dem Amtsgericht verantworten.

Sie sei nicht vorbestraft und auch sonst unbescholten, argumentierte ihr Verteidiger. Das seien Fahrerflüchtige immer, konterte die Staatsanwältin.

Der Unfall liegt rund ein halbes Jahr zurück. Am Nachmittag des 20. November 2018 wollte die Angeklagte mit ihrem Auto von der Arbeit nach Hause fahren. Auf der Kreuzung Am Güterbahnhof / Schillerstraße nahm sie einem aus Richtung Ritzer Brücke kommenden Transporter die Vorfahrt und krachte dem Fahrzeug in die Beifahrerseite, sodass dieses auf die Gegenfahrbahn schleuderte. Danach, so die Anklage, habe sich die Frau davongemacht. Sie ist aber recht schnell von der Polizei aufgespürt worden, da beim Unfall die Fahrzeugschnauze samt Nummernschild abgerissen wurde.

Sie habe nicht gemerkt, dass sie irgendwo gegengestoßen sei, verteidigte sich die Angeklagte. Erst zuhause habe sie dies realisiert und versucht, ihre Tochter zu erreichen. Amtsrichter Dr. Klaus Hüttermann zeigte kein Verständnis: „Die ganze Schnauze fliegt weg, und Sie merken das nicht?“ Und: „Haben Sie noch etwas im Straßenverkehr zu suchen?“

Der Anwalt der 61-Jährigen versuchte zu beschwichtigen. Seine Mandantin habe unter Schock gestanden und eine solche Situation noch nie erlebt. Sie habe sich daher nicht vorsätzlich vom Unfallort entfernt.

Dies sah der 67-jährige Fahrer des Transporters während seiner Zeugenaussage anders. Die Frau sei mit hoher Geschwindigkeit auf die Kreuzung gekommen und ebenso schnell davongefahren. Neben dem Totalschaden des Transporters seien dem Unfallopfer zwei Tage später zwei Zähne aus der Prothese gebrochen. „Sie hätte den Unfall bemerken müssen“, war sich der 67-Jährige sicher.

Das ganze Verfahren sollte eigentlich auf rein schriftlichem Weg per Strafbefehl abgehandelt werden. Dieser sah für die Angeklagte eine Geldstrafe von 900 Euro und sechsmonatigen Führerscheinentzug vor. Doch aufgrund eines Widerspruchs kam es nun doch zur Verhandlung. Am Ende derselben ließ Richter Hüttermann durchblicken, dass eine Verurteilung im mündlichen Verfahren eine höhere Strafe zur Folge haben würde. Nach kurzer Bedenkzeit nahmen Verteidiger und Angeklagte deshalb ihren Widerspruch zurück und akzeptierten die Bedingungen des Strafbefehls. Für die 61-Jährige ist damit allerdings nur der strafrechtliche Teil abgeschlossen. Ihr steht eine hohe Schadenersatzklage bevor.  hey

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare