Abgeordneter stellt Forderung im Kreistag 

Rettungsdienst auf den Prüfstand: Kam der Notarzt zu spät?

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Der Einsatz von Rettungskräften im Altmarkkreis soll nach dem tragischen Tod eines 58-Jährigen untersucht werden. Nach Aussagen im Kreistag soll der Notarzt erst 35 Minuten nach dem Anruf vor Ort gewesen sein.

Altmarkkreis – Abgeordneter Gerhard Drebenstedt (CDU) forderte am Montag im Kreistag, den Rettungsdienst im Altmarkkreis auf den Prüfstand zu stellen. Zur Erinnerung: Der Kreis ist Träger des Rettungsdienstes.

Drebenstedt berief sich dabei auf ein aktuelles und tragisches Beispiel.

Am vergangenen Donnerstag war im Salzwedeler Hagebaucentrum ein 58-jähriger Mitarbeiter zusammengebrochen. Wie Drebenstedt berichtete, habe ein weiterer Mitarbeiter den Notruf gewählt. Von dort habe dieser den Hinweis bekommen, dass die Notarztstelle nicht besetzt sei, sagte Drebenstedt. Und weiter: Nach 20 Minuten habe dann derselbe Mitarbeiter den Notruf erneut gewählt. Nach 35 Minuten seien endlich ein Notarzt, ein Rettungswagen aus Rohrberg und ein Hubschrauber eingetroffen. Der 58-Jährige sei in die Klinik gebracht worden. Doch er verstarb.

„Ist die Funktionalität und Einsatzbereitschaft wirklich gegeben?“, fragte Drebenstedt und erinnerte an einen ähnlichen Vorfall vor Jahren auf dem Salzwedeler Weihnachtsmarkt, bei dem die Rettungskräfte ebenfalls verspätet eintrafen. „Wird das ausgewertet? Und wer wertet das aus?“, appellierte Drebenstedt an den Kreistag: „Das könnte allen passieren.“ Wie auch dem Kreistagsvorsitzenden, der während der vergangenen Sitzung einen Schwächeanfall erlitten habe, so Drebenstedt. „Zum Glück haben wir einen Arzt im Kreistag und das Krankenhaus gegenüber.“

Landrat Michael Ziche bedauerte den tragischen Vorfall. Er übertrug die Auswertung dem Ordnungsausschuss. Er erinnerte an den „Kompromiss mit den Kassen für ein leistungsfähiges Konzept, das nicht alles abdecken kann“. Ziche sprach von 95 Prozent. Es gebe diese fünf Prozent, bei denen der Notarzt nicht rechtzeitig eintreffe, weil er gerade einen anderen Einsatz habe, so der Landrat. „Ich bin überzeugt, dass wir keine Defizite haben“, stützte sich der Landrat auf eine Prüfung des Rettungssystems im Altmarkkreis im vergangenen Jahr, wo 93 Prozent der geforderten Punkte erreicht wurden.

Weiter ging Michael Ziche auf die „geschulten Mitarbeiter in der Leitstelle, die reagieren müssen“, ein. Auch dort werde man den Hagebau-Vorfall zusammen mit dem Landkreis Stendal auswerten und dann berichten, so Ziche. Die Leitstelle in Stendal wird von beiden Altmark-Kreisen betrieben.

Frank Rossau (Grüne / Freie Liste) empfahl, auch gleich an die längeren Rettungswege zu denken, wenn in ein paar Jahren die Amerika-Linie in vollen Betrieb geht und die Schließzeiten der Bahnübergänge dramatisch ansteigen.

VON HOLGER BENECKE

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