Arztreport geht von hoher Dunkelziffer auf / Junge Menschen zunehmend betroffen

Reizdarm: Bei Westaltmärkern seltener Thema

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Sachsen-Anhalt hat im bundesweiten Vergleich pro 100 000 Einwohner die wenigsten Betroffenen mit Reizdarmsyndrom. Die Dunkelziffer ist allerdings überall hoch.

Sachsen-Anhalt – Mehr als 23 000 Sachsen-Anhaltiner haben 2017 die Diagnose Reizdarm erhalten. Das geht aus dem Barmer-Arztreport 2019 hervor. „Diese Zahl ist nur die Spitze des Eisbergs.

Zahlreiche Betroffene meiden bei Symptomen wie Durchfall, Krämpfen oder Verstopfung aus Scham den Gang zum Arzt. Erhebungen legen nahe, dass die Dunkelziffer der Erwachsenen mit Reizdarmsyndrom zehnmal höher sein könnte. In Sachsen-Anhalt dürften mehr als 200 000 Menschen Probleme mit Reizdarm haben. Diese große Diskrepanz zeigt, dass die Erkrankung nach wie vor ein Tabuthema ist“, sagt Barmer-Landesgeschäftsführer Axel Wiedemann.

In Sachsen-Anhalt lasse sich bei der Diagnose ein Stadt-Land-Gefälle feststellen. Die meisten Betroffenen leben demnach in Halle, Magdeburg und Dessau-Roßlau. Im Altmarkkreis Salzwedel leiden die wenigsten Menschen an dieser Erkrankung, dort werden die Bundeswerte um 53 Prozent unterschritten.

Auffällig sei, dass überall zunehmend jüngere Menschen am Reizdarmsyndrom (RDS) erkranken. Die Zahl der Betroffenen im Alter von 23 bis 27 Jahre sei zwischen 2005 und 2017 bundesweit von knapp 40 000 auf rund 68 000 gestiegen. Das ist ein Plus von 70 Prozent.

Die Ursachen für die Beschwerden seien bislang unklar. Betroffene würden häufig über Bauchschmerzen sowie Symptome wie Durchfall, Verstopfungen und Blähungen klagen. Das RDS werde zudem gehäuft im Zusammenhang mit psychischen Störungen beobachtet. Frauen seien doppelt so häufig betroffen wie Männer. Die RDS-Diagnose könne meist erst nach Ausschluss anderer Ursachen gestellt werden.

Die Behandlung des Reizdarmsyndroms könne auf verschiedene Art und Weise erfolgen. Sie hänge ganz entscheidend von den einzelnen Symptomen ab und reiche von Diät über medikamentöse Therapie, Probiotika und Phytotherapie bis hin zu Antidepressiva.  pm

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