Rechte Parolen in Salzwedeler Innenstadt: Untersuchungen laufen

21-Jähriger schweigt

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Die Männer vom Salzwedeler Bauhof wussten nicht, wo sie anfangen sollten. Weit mehr als 100 Hakenkreuze und Naziparolen hatten sie von den Wänden zu entfernen.

Salzwedel. Der 21-Jährige, der für die mehr als 130 rechten Schmierereien in der Nacht auf den 3. Oktober in Salzwedels Innenstadt verantwortlich sein soll, schweigt.

„Er sagt gar nichts, will sich anwaltlich beraten lassen“, hieß es gestern auf AZ-Nachfrage bei der Polizeidirektion (PD) Nord in Magdeburg.

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Ob ihm die Taten inzwischen nachgewiesen werden konnten, dazu macht PD-Sprecher Marc Becher „aus ermittlungstaktischen Gründen“ keine Angaben. Wie berichtet, war bei einer Hausdurchsuchung diverses Sprayer-Equipment sichergestellt worden.

Von einer Einzeltat gehen die Ermittler aber nach wie vor nicht aus. „Das hätte einer alleine nicht geschafft“, begründet Becher. Ob es sich um eine Gruppe oder mehrere Gruppierungen gehandelt hat, vermochte er noch nicht zu sagen. Der 21-Jährige sei polizeibekannt. Ob es sich um einen Vorbestraften handelt, konnte der Polizeisprecher nicht sagen und verwies an die Stendaler Staatsanwaltschaft. Dort gab es gestern auf entsprechende Nachfragen der AZ keine Antwort. Auch, ob der Tatverdächtige einer politischen Gruppierung angehört, blieb unbeantwortet.

Auf die Spur des 21-Jährigen waren die Ermittler aufgrund von Zeugenhinweisen gekommen. Haftbefehl wurde auch gestern nicht erlassen, weil Haftgründe wie Flucht- oder Wiederholungsgefahr nicht in ausreichendem Maß gegeben seien. Aber: „Die Maschinerie läuft“, sagte Marc Becher.

In der Nacht zum „Tag der Deutschen Einheit“ wurden Hakenkreuze und Naziparolen an Hauswände in der Salzwedeler Innenstadt geschmiert, was bundesweites mediales Interesse auf die Hansestadt gezogen hatte. Focus online titelte zum Beispiel „Salzwedel: Eine Stadt versinkt in Naziparolen“.

Von Ulrike Meineke

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