Stadt verlangt von Vereinen horrende Wassergebühren

Nun rechnen die Narren gegen

Die Wasseruhr im Vereinshaus „Siebeneichen“ zeigt den Verbrauch seit 1993 an. Nun sollen die Vereine für zwei Jahre rund 1200 Euro bezahlen. Fotos (2): Benecke

Salzwedel. „Wir haben eine Wasserrechnung von der Stadt über 1200 Euro für zwei Jahre bekommen“, ist Manfred Preuß, Vorsitzender des Erdgas Carneval Clubs (ECC), von den Socken. Der ECC ist Mieter des Vereinheimes im Kinder-Eltern-Zentrum „Siebeneichen“.

Dort treffen sich nicht nur die Karnevalisten. Auch der Chor „Concordia“, der Siedlerbund und der Freizeitsport „Siebeneichen“ nutzen die Räume. Der Wasserverbrauch aller zusammen macht 20 Kubikmeter pro Jahr aus. Das belegt eine Wasseruhr, die seit 1993 insgesamt 204 Kubikmeter erfasst hat.

Bislang wurde der geringe Verbrauch von den Vereinen in Naturalien bezahlt, wenn nicht überbezahlt: Geld aus Schrottsammlungen – zum Beispiel 60 Euro in 2011 –, Sachwerte, Getränke und Programmteile wie Clown, Disko und Grillmannschaft für Feste in der Kita, Baumfällarbeiten auf dem Gelände usw. Das alles wurde im Gegenzug von den Mietern geleistet. Auch die Stadt nutzte die Räume kostenfrei für Bürgerversammlungen, listet Manfred Preuß weiter auf.

Dann flatterte dem Mieter ECC die 1200-Euro-Rechnung auf den Tisch. In der Stadtverwaltung wird der Wasserverbrauch der Kita-Untermieter auf die Quadratmeter bezogen anteilig berechnet. Für Preuß und Reinhold Heine ein Unding. „Die Berechnung ist sachlich falsch und nicht nachvollziehbar“, sagen sie. Eine fünftägige Vollbewirtschaftung in der Kita mit der Vereinsnutzung einmal wöchentlich für einige Stunden gleichzusetzen, ist für sie ein Unding.

Am 24. Juni hat Preuß namens des ECC an Oberbürgermeisterin Sabine Danicke geschrieben und Widerspruch eingelegt. Vier Monate sind vergangen – eine Antwort gab es bis heute nicht. Die Rechnung steht noch im Raum.

Der ECC macht nun seinerseits eine Rechnung auf: Dachüberstand saniert, Nordgiebel saniert und isoliert, das komplett durchfeuchtete Mauerwerk trockengelegt – das alles haben die nutzenden Vereine erledigt. Arbeitsleistungen, Rüstung und Dachdeckermaterial kam von den Ehrenamtlichen und ihren Sponsoren. Die restlichen Materialkosten zum Erhalt des städtischen Gebäudes – 349,29 Euro – wurden bei der Stadt abgerechnet. So war es mit den damaligen Amtsleitern Ralf Burmeister (Bau) und Ulf Dittfach (Liegenschaften) abgestimmt, sagt Preuß. Die Rechnung ist im Rathaus eingegangen, die Ehrenamtlichen haben Anfang des Jahres noch einmal nachgehakt. „Da sagte Ulf Dittfach, dass das Geld eigentlich schon überwiesen sein müsste“, erinnert sich Preuß. Aber: Die Ehrenamtlichen haben noch immer keinen Cent gesehen. Und sollen nun 1200 Euro Wassergeld berappen. „Das treibt unsere Vereine in den Ruin“, macht Preuß deutlich, was passiert, wenn ECC, Sänger, Siedler und Sportler das Geld tatsächlich bezahlen müssen.

Marketingamtsleiter Olaf Meining auf AZ-Nachfrage: „Es wird eine gute Lösung geben.“

Von Holger Benecke

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare