Carl Vetter etabliert sich europaweit als spartanischer Spurensucher und Entschleuniger

Raumveränderer aus Langenapel

Langenapel / Salzwedel. Wenn der Langenapeler Künstler Carl Vetter einen ihm unbekannten Raum betritt, dann beginnt er bereits im Geist damit, diesen zu verändern. Anders als Reichstagsverhüller Christo arbeitet Vetter oft auch mit Innenräumen. Verhüllen und Verändern will er mit seiner Kunst dennoch.

Der Salzwedeler Künstler Carl Vetter, hier bei seinem Naturstein-Pendel im umgestalteten Schweinekoben, hat im Ortsteil Langenapel sein Atelier.

Unvergessen in der altmärkischen Kunstszene ist bis heute die Veränderung des Chorraumes in der Salzwedeler Mönchskirche „Zwischenraum – eine Annäherung“ aus dem Jahr 1995. Umgestaltet und verändert wurde unter anderem auch schon der Tylsener Kuhstall mit schwarzer Silofolie und Runkelrüben-Drucken und ein alter Viehstall im heutigen Atelierraum Haselhorst. Neue Wege geht Vetter seit geraumer Zeit mit klangvoller geologischer Meditation. So fing er 2004 mit Klangsteinen und klingenden Steinreihen die Lieder des Huy im Kunstvereinsgebäude Röderhof im Harzvorland ein. „Mein Lied ist nicht eine bestimmte Melodie, sondern eine improvisierte Klangfolge, meist mit feinsten Zwischentönen und Klangfarben“, erklärt Vetter.

Auch dort arbeitete der Künstler mit Raumveränderungen. Die Klänge rufen Assoziationen hervor und der Raum wird zum Imaginationsraum. Besonders bemerkenswert sind zwei Lichtarbeiten auf der irischen Halbinsel Aughenish in Galway Bay vom August 2014. Diese werden in einer aktuellen Ausgabe der Zeitschrift für Kunst in Sachsen-Anhalt gewürdigt. In Vetters Installation wurden 67 Solarlampen auf einer Fläche von 103 mal 59 Metern verteilt. Hinzu kamen 69 in Naturstein eingebettete Teelichter „in Fließrichtung des einströmenden Tidewassers“, wie Vetter beschreibt.

Mit der Blickrichtung zur Galway-Bucht und zum Lichterband der Stadt soll der Betrachter Nähe und Wärme wahrnehmen. Dem entgegen wirkt das tiefer gelegene Gelände mit der Endpunkt-Silhouette, die Kälte und Sternenhimmel darstellen soll. Auch in seinem Atelier im Salzwedeler Ortsteil sucht er nach Einfachheit und Klarheit. Zu seinen Vernissagen kommt er, wenn es geht, mit dem Fahrrad statt mit dem Auto. Dann nimmt er vor dem großen Auftritt noch die Hosenklammern vom Bein und es kann losgehen.

„Suche nach dem Persönlichen im Elementaren, zweifel an Fortschritt und Wachstum, durch Vergehendes verweisen auf Bleibendes“, so beschreibt Thomas Blase in der sachsen-anhaltischen Kunstzeitschrift die Sichtweise Vetters treffend. Ähnlich äußert sich in diesem Jahr bei einer gemeinsamen Vernissage in Haselhorst auch sein Bewunderer Ramani Narayan. Auch die Wahlheimat Langenapel und die ländliche Altmark sind Teil der Suche nach dem Wesentlichen.

Fragen muss man dem schüchternen, 1949 in Weimar geborenen Vetter geradezu entlocken. Carl Vetter, der an der Appeldornstraße in Langenapel sein Refugium hat, etabliert sich seit Jahren mit Klang-, Licht- und Raumaktionen sowie Installationen über die regionale Szene hinaus. 1971 bis 1978 absolvierte er ein Kunststudium in Hamburg bei den renommierten Professoren Kai Sudek und Bodo Baumgarten. Ab 2011 entstanden mehrere Atelierarbeiten unter dem heimatbezogenen Namen „Salzwedel-Appeldorn“. Viele Werke Vetters sind reich an audiovisueller Ästhetik und haben dennoch eine innere, naturbezogene Kraft. Seit 1978 engagierte er sich bei zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen und erhielt für seine Arbeit Stipendien im In-und Ausland.

Von Kai Zuber

Rubriklistenbild: © Zuber

Kommentare