Hanns-Michael Kochanowski hat einen Fall in der Familie und ist vom Vorgehen verwirrt

Salzwedeler ratlos im Corona-Dschungel

Hanns-Michael Kochanowski ist ratlos. Der Salzwedeler hat einen Corona-Fall in der Familie und kann die Bestimmungen, Einstufungen und Handlungen der Behörden nicht mehr nachvollziehen.
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Hanns-Michael Kochanowski ist ratlos. Der Salzwedeler hat einen Corona-Fall in der Familie und kann die Bestimmungen, Einstufungen und Handlungen der Behörden nicht mehr nachvollziehen.
  • Holger Benecke
    vonHolger Benecke
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Der Salzwedeler Hanns-Michael Kochanowski macht sich massive Sorgen. Es geht um Corona, und der Hansestädter hat einen Fall in der Familie. Es ist die 82-jährige Mutter seiner Schwiegertochter, was auch ihn und andere Familienangehörige betrifft.

Salzwedel – Die betagte Dame habe vor zwei Monaten einen schweren Schlaganfall erlitten, berichtet er. Anschließend habe ihre Odyssee durch die Krankenhäuser begonnen.

Zunächst sei sie ins Altmark-Klinikum Salzwedel gebracht worden, dann nach Bad Bevensen, schließlich wieder zurück nach Salzwedel, dann in eine Reha nach Gardelegen. Einen Tag vor Heiligabend durfte sie dann wieder nach Hause, listet Kochanowski auf.

Durch den Schlaganfall sei sie halbseitig gelähmt gewesen, wurde von ihrer Tochter und einem Pflegedienst betreut, weiß der Salzwedeler. Die Tochter habe ihre Mutter dann am 1. Januar ins Salzwedeler Altmark-Klinikum bringen lassen, weil die Seniorin nicht mehr gegessen und getrunken habe. „Dort wurden ein PCR- und ein PoC-Test durchgeführt. Einen Tag später kam das Ergebnis: positiv“, fragt sich Kochanowski, wo sich die Frau infiziert haben könnte? Im Krankenhaus wohl eher nicht. Zu Hause? Dort hatte die Kranke nur Kontakt zu ihrer Tochter, ganz kurz zu ihm und zum Pflegedienst.

Die Seniorin sei am 3. Januar nach Gardelegen auf die Covid-Station gebracht worden, war Kochanowski mitgeteilt worden. Seine Schwiegertochter hat das kreisliche Gesundheitsamt bis zum 19. Januar mit ihrer Enkelin in häusliche Quarantäne geschickt. Zu einem Test sei sie nicht aufgefordert worden. Lediglich ihre Tochter soll diesen im Fieberzentrum auf dem Fuchsberg absolvieren, wurde mitgeteilt.

Und Hanns-Michael Kochanowski selbst? „Ich habe die Mutter meiner Schwiegertochter am 31. Dezember zu Hause besucht, mir eine Maske aufgesetzt, Abstand gehalten und war nur fünf Minuten direkt bei ihr“, schilderte er der AZ. Das Gesundheitsamt habe ihn deshalb in die Kategorie II eingestuft. Ist damit nicht in Quarantäne. Er soll Kontakte vermeiden, Maske tragen und auf Abstand achten. Das alles macht er, hadert aber mit seinem Job. Denn Kochanowski arbeitet als Wachmann im Asylantenheim. Auch er ist nicht getestet und hat nun Angst, die Heimbewohner zu infizieren. Er will niemanden anstecken. Vom zuständigen Altmarkkreis bekam er die Auskunft, dass er dort arbeiten gehen könne – unter den vorgeschriebenen Regeln. „Das erscheint mir komisch“, sagt er, denn er will niemanden anstecken.

Zurück zur Mutter seiner Schwiegertochter: Diese solle von Gardelegen nun wieder nach Hause entlassen werden. Doch ihre Tochter sitzt in Quarantäne. Einzige Möglichkeit wäre dann ein Heim, wurde Kochanowski telefonisch erklärt. „Mit Corona?“, fragt sich der Salzwedeler. „Man kann weder einem Pflegedienst zumuten, Corona-Patienten zu Hause zu pflegen, noch diese in einem Heim unterzubringen“, blickt Kochanowski auf die Ansteckungsgefahr und deren Folgen vor allem in einem Heim. „Oder hat sie gar kein Corona?“, ist der Salzwedeler nun vollends verwirrt und beginnt an den Tests zu zweifeln.

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