Drei Männer wegen schwerer Körperverletzung vor Gericht: An zwei Abenden Kiefer, Nase und Jochbein gebrochen

Rache nach Anmachversuch: „Suchen, finden, töten“

Salzwedel. Wegen einer angeblichen Vergewaltigung waren die drei Angeklagten (58, 41 und 28 Jahre alt) am 1. und am 2. November 2014 losgezogen, um Rache zu nehmen.

An den beiden Abenden hintereinander verprügelten die Männer das 44-jährige Opfer in dessen Wohnung an der Uelzener Straße 39 und müssen sich nun wegen schwerer Körperverletzung vor einem Schöffengericht verantworten.

Im Gericht

Ein doppelt gebrochener und ausgerenkter Kiefer, eine mehrfach gebrochene Nase sowie ein gebrochenes Jochbein, zahllose Hämatome, ein Biss ins Ohr, Riss- und Platzwunden durch Schläge mit Bierflaschen sowie Brandmale von Zigaretten waren das Ergebnisse der brachialen Gewalt.

„Die sind mit einem Zweitschlüssel in meine Wohnung eingedrungen und haben was davon erzählt, dass ich eine von ihren Freundinnen angemacht hätte. Aber das ist einfach nicht wahr“, erzählt der arbeitslose Salzwedeler vor dem Richtertisch. Der arbeitslose 58-jährige US-Amerikaner, der seit fünf Jahren in Salzwedel wohnt, der 41-jährige Stendaler, der derzeit von EU-Rente lebt, sowie der 28-jährige Gardelegener hätten sich an diesem Abend mit Bier und Pfefferminzschnaps in Rage getrunken. „Ich war nur an einem Abend dabei und habe nicht zugeschlagen. Ich saß die ganze Zeit mit der Freundin des Opfers in der Küche und wollte die ganze Sache beruhigen“, gibt der Amerikaner, der seit Jahren wegen schizophrenen Schüben in Behandlung ist, zu Protokoll.

„Das ist alles Satansdreck“, zeigt sich der 28-jährige Gardelegener wütend über die Aussage seines Saufkumpans. „Du hast genauso zugeschlagen, und zwar an allen beiden Abenden. Er hat uns noch mit seiner Parole ,Suchen, finden, töten‘ angestachelt.“

„Ich habe eine Zeit lang bei dem Geschädigten gewohnt. Daher hatten wir den Wohnungsschlüssel“, erzählt der Angeklagte aus Stendal. „Dann hat er mich aber verprügelt, weil ich mich an seine Freundin rangemacht hätte, und da bin ich ausgezogen.“ Von den Abenden wüssten die Angeklagten alle nicht mehr so viel, dafür hätten sie zu viel gebechert.

Während die drei Angeklagten im Schlafzimmer auf das Opfer eingeschlagen und getreten hätten, saß die Freundin (28) des Opfers mit einem Freund in der Küche. „Ich hatte Angst und konnte nicht an mein Handy. Und was hier im Block passiert, das interessiert doch eh keinen“, antwortet die Salzwedelerin auf die Frage von Richter Klaus Hütterman, warum sie denn an beiden Abenden nichts unternommen hätte.

Für Unverständnis sorgte auch die Tatsache, dass das Opfer nach beiden Prügelattacken nicht die Polizei gerufen und auch nicht ins Krankenhaus gegangen war. „Meine Freundin wollte das nicht. Die wohnt im betreuten Wohnen und ist an diesem Wochenende ausgebüxt. Wenn ich da die Polizei gerufen hätte, hätten die sie ja gleich mitgenommen“, so der Verprügelte. Erst als die drei Angeklagten am 3. November erneut vor der Tür stehen, ruft das Pärchen die Polizei.

Die eintreffenden Beamten begegnen den drei Männern im Hausflur. „Wir kennen die Herren von früheren Einsätzen. Uns haben sie gesagt, sie hätten einen Freund besucht“, geben die Ordnungshüter zu Protokoll. Dass diese drei aber die Gesuchten sind, erfahren die Polizisten erst an der Wohnungstür und finden das Trio am Ende in der Obdachlosenunterkunft Am Martinskamp. Anschließend verfrachten die Beamten das 44-jährige Opfer erst einmal in das Altmark-Klinikum.

Zu einer Entscheidung kam das Gericht gestern noch nicht. Der Prozess wird am 4. Mai ab 9 Uhr im Amtsgericht fortgesetzt. Dann soll unter anderem noch der Vernehmungsbeamte aussagen.

Von Katja Lüdemann

Rubriklistenbild: © dpa

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