1. az-online.de
  2. Altmark
  3. Salzwedel

PVGS Altmarkkreis Salzwedel verkauft über siebentausend Neun-Euro-Tickets

Erstellt:

Von: Christian Reuter

Kommentare

Neun-Euro-Ticket
Bereits seit Juni können Fahrgäste mit nur neun Euro bundesweit den ÖPNV nutzen. Auch im Altmarkkreis Salzwedel ist das Ticket beliebt. Der August ist aber der letzte Monat für das Entlastungs-Konzept. © IMAGO/FrankHoermann/SVEN SIMON

Das Neun-Euro-Ticket befindet sich in seinem letzten Monat. Eine vom Bund getragene Fortsetzung oder Alternative soll es laut Finanzminister Christian Lindner (FDP) nicht geben. Für eine lokale Bilanz zum Nutzen und Erfolg des Tickets wandte sich die Altmark-Zeitung an Ronald Lehnecke, Geschäftsführer der Personenverkehrsgesellschaft (PVGS) Altmarkkreis Salzwedel.

Von Armon Böhm

Salzwedel. Zwei Monate hat das Ticket, mit welchem Fahrgäste für nur neun Euro einen ganzen Monat lang bundesweit den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) nutzen können, bereits hinter sich. Was als dreimonatige Entlastung aufgrund der aktuellen Inflation begann, wurde auch schnell für günstige Urlaubsreisen durch ganz Deutschland beliebt. Auch auf den lokalen Busverkehr hat das Ticket laut Lehnecke Einfluss ausgeübt.

„Auf den regulär verkehrenden Linien gibt es eine erhöhte Auslastung, welche wir auch auf das Angebot des Neun-Euro-Tickets zurückführen“, schildert der Geschäftsführer der PVGS. Ebenfalls gestiegen sei die Anfrage für den Rufbusverkehr (City- und Überlandrufbus). Dennoch habe die PVGS bisher keinen Fahrgast abweisen müssen. Zu Beginn sei es am Pfingstwochenende zwar zu einem so hohen Aufkommen gekommen, dass mit Stehplätzen gefahren werden musste, jedoch nur für kurze Wegstrecken.

Ab dem 29. Juli habe man aufgrund der hohen Auslastung bei den City-Rufbussen eine Einschränkung von Rufbusanmeldungen einführen müssen. Auch die Mitnahme von Fahrrädern wurde für die Gewährleistung der Beförderung von Rollstühlen, Rollatoren und Kinderwagen ausgeschlossen. „Die meisten Fahrgäste reagieren auf diese Einschränkungen sehr verständnisvoll“, sagt Lehnecke.

Bereits im Mai verkaufte die PVGS im Vorverkauf 350 Neun-Euro-Tickets – nichts im Vergleich zu den darauffolgenden Monaten. Im Juni waren es 2.385 und im Juli 2.947. Für diesen Monat waren es bisher, Stand 8. August, 1.493. Insgesamt konnten also über siebentausend Tickets verkauft werden.

Dennoch spricht Ronald Lehnecke nicht von einem vollen Erfolg, sondern betrachtet das Ticket differenzierter. „Vor neuen Tarifangeboten sollte zunächst in bessere Angebote investiert werden“, meint Lehnecke. Gerade im ländlichen Raum sei der Fahrplan stark auf Schülerverkehr ausgerichtet. Für die übrige Bevölkerung habe man im Altmarkkreis Salzwedel daher das Rufbussystem eingeführt, doch sei man nicht auf zusätzliche Auslastungen durch das Neun-Euro-Ticket vorbereitet gewesen. Weiterhin verringere sich durch die Anwendung des Tickets die Fahrgeldeinnahme massiv und führe zu Liquiditätsproblemen.

„Aus meiner Sicht können die zuständigen Verkehrsunternehmen und Aufgabenträger (Städte, Gemeinden und Landkreise) eine Verlängerung oder Alternative des Neun-Euro-Tickets allein nicht finanzieren. Hier müssen Bund und Länder dann entsprechende Ausgleichsmittel zur Verfügung stellen“, äußert Lehnecke abschließend.

Auch interessant

Kommentare