Im Gericht

Seil zerschnitten, Fotos fehlen – Prozess um versuchte Strangulation fortgesetzt

Prozess um Mord durch Unterlassen
+
Prozess um Mord durch Unterlassen

Salzwedel – Im Prozess um einen 35-jährigen Salzwedeler, der versucht haben soll, seine ehemalige Lebensgefährtin mit einem Seil möglicherweise zu erdrosseln, ist es in dieser Woche noch zu keinem Urteil gekommen.

Dieses könnte aber am Dienstag, 27. Oktober, 13 Uhr, im Amtsgericht gesprochen werden.

Was war bisher geschehen: Im April 2019 soll der Angeklagte zum Haus seiner Ex-Freundlin gekommen sein. Auf der Terrasse habe er sie ergriffen, hineingezerrt, geschlagen und anschließend ein dünnes, weißes Seil aus der Jacke gezogen, um es um den Hals der ebenfalls 35-Jährigen zu legen. Dabei soll er zu verstehen gegeben haben, zuerst die Frau zu töten und dann sich selbst. Im Juli desselben Jahres hat es einen zweiten Vorfall gegeben. Wiederum sei der Mann dort aufgetaucht und in das Haus eingebrochen, so der Verwurf. Doch werde dieser Anklagepunkt aller Voraussicht nach wegen Geringfügigkeit fallen gelassen. Dies kündigte das Schöffengericht an.

Der zweite Verhandlungstag begann recht chaotisch. Alle wichtigen Personen waren erschienen – bis auf den Angeklagten. Der radelte erst 45 Minuten später zum Gericht. Er sei nicht zuhause gewesen und habe Termine verwechselt. Eine Alkoholkontrolle im Gerichtssaal erbrachte jedoch nichts.

Die Verteidigung hatte am ersten Verhandlungstag beantragt, das besagte Seil sehen zu wollen. Dies wurde von der Staatsanwaltschaft mitgebracht, allerdings in viele Teile zerschnitten und einzeln verpackt. Der Grund dafür konnte nicht geklärt werden. Als anschauliches Beweisstück fiel es damit aus.

Überhaupt lief der Verhandlungstag besser für die Verteidigung. Der Anwalt des 35-Jährigen hatte wenig Mühen, Lücken in der Beweiskette und Widersprüche bei den Zeugenaussagen aufzudecken. Die Beweisaufnahme sei unbefriedigend verlaufen, konstatierte dann auch das Gericht. Ungeachtet dessen belasten weiterhin mehrere Zeugen den Angeklagten.

Ein weiterer Knackpunkt im Prozess: die Verletzungen der Frau durch das Seil. Während ein Arzt damals keine Strangulationsspuren feststellen wollte, wird im Polizeibericht von erheblichen Würgemalen gesprochen. Außerdem fehlen in den Gerichtsakten offenbar Fotos vom Hals des Opfers. Diese Tatsache habe das Gericht sehr verstört, so die Justiz. Eine dazu befragte Polizistin meinte bemerkenswerterweise, die Kameras der Behörde seien nicht die besten; eventuell sei von den Spuren nichts zu erkennen gewesen. Bis zum nächsten Prozesstag Ende Oktober soll sie nun alle vorhandenen Bilder zusammensuchen und dem Gericht zukommen lassen. VON JENS HEYMANN

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare