Familie hat sich auf Amtsleiter-Zusagen verlassen und dadurch verschuldet

Preußen nennen es Betrug

+
Nachdem Edeltraut Preuß vier Monate auf eine Antwort von der Oberbürgermeisterin gewartet hat, heißt es nun: Die Blumenkübel müssen weg. Die stehen vor einem Grundstück, das Preuß 2009 von der Stadt als Bauland für ihren Sohn gekauft hat. Zwei Jahre später wurde ihr mitgeteilt: Es war schon immer Grünland. Auf eine Rückzahlung der Differenz wartet sie bis heute. Dafür hat Sohn Martin einen Kredit an der Backe, für ein anderes Baugrundstück, das zwei Amtsleiter ihm zugesagt, dann aber an jemand anderes verkauft haben.

Salzwedel. Edeltraut Preuß hat das von Oberbürgermeisterin Sabine Danicke viel zitierte bürgerschaftliche Engagement beim Schopf gepackt und den namenlosen Weg hinter ihrem Grundstück an der Fichtestraße verschönert. Mit drei als Blumenkübel gestalteten Brunnenringen.

Dafür hatte die Sieben-eichenfelderin einen Antrag auf Sondernutzung an die Oberbürgermeisterin gestellt. Das war am 26. Juni. Da sie trotz nochmaliger Nachfrage am 5. September immer noch keine Antwort bekommen hat, hat sie mit ihrem bürgerschaftlichen Engagement schon einmal losgelegt. Zu früh: Denn nun heißt es: Die Blumenkübel müssen wieder weg.

Pikant: Das Grundstück, vor dem die Blumenkübel stehen, hat Edeltraut Preuß vor Jahren von der Stadt gekauft. Für ihren Sohn Martin als Bauland, wie ihr die damaligen Amtleiter Ralf Burmeister (Bau) und Ulf Dittfach (Liegenschaften) versicherten. Doch das von Edeltraut Preuß 2009 zum Baulandpreis bezahlte Grundstück entpuppte sich im vergangenen Jahr als schnödes Grünland, wie der neuen Eigentümerin im vergangenen Jahr per Auszug mitgeteilt wurde. „Da sind wir aus allen Wolken gefallen“, sagt Edeltraut Preuß, die zu diesem Zeitpunkt schon die fertige Bauzeichnung für das neue Haus auf dem Tisch hatte.

An der Situation änderte auch die Anfrage an die beiden Amtsleiter mit dem zusätzlichen Hinweis, dass man doch das Grundstück überbezahlt habe, nichts. Das sollte dann mit einem anderen Grundstück verrechnet werden, dass Edeltraut Preuß’ von den beiden Amtsleitern am nahen Soltmannweg angeboten wurde.

Ihr bauwilliger Sohn Martin nahm sofort einen Kredit auf. Und fragte fast jede Woche nach, wann der Notarvertrag unterschrieben werden soll und er am Soltmannweg denn bauen könne. Bis er nach zirka fünf Wochen sah, dass jemand anderes auf dem ihm versprochenen Grundstück bereits den Claim für ein Eigenheim abgesteckt hatte.

„Was soll ich bloß von dieser Stadt halten, für die man macht und tut“, spricht Edeltraut Preuß mit tränenerstickter Stimme das Engagement ihrer Familie für Salzwedel an. Und kommt zu dem Schluss: „Das ist Betrug.“ Denn die gegenwärtige Lage der Familie sieht so aus: Edeltraut Preuß hat ein Grünland-Grundstück, auf dem sie nicht bauen darf. Und auch die Differenz für das 2009 als Bauland überzahlte Grünland hat sie nach drei Jahren immer noch nicht von der Stadt zurück. Martin Preuß zahlt einen Kredit mit Zins und Zinseszins für ein Baugrundstück ab, das ihm versprochen aber einem anderen verkauft wurde.

Auf Nachfrage der Altmark-Zeitung bei der Salzwedeler Stadtverwaltung, antwortete gestern Marketingamtsleiter Olaf Meining: „Dazu äußern wir uns nicht.“

Von Holger Benecke

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare