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Pretzierer: Mit der Stadt läufts nicht

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Von: Holger Benecke

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Die Anwohner am verwilderten Teich hinter der Pretzierer Feuerwehr werden mindestens noch ein weiteres Jahr mit dem Gestank leben müssen. © Zahn, Lydia

Im größten Ortsteil der alten Hansestadt, in Pretzier, trat am Montagabend ein ziemlich verstimmter Rat zusammen. „Viele Sachen mit der Stadt laufen nicht“, brachte es Ortsbürgermeister Herbert Schulze auf den Punkt. Ein Satz, der nicht nur während der Ortschaftsratssitzungen in Pretzier des Öfteren fällt.

Pretzier - Und so kam der Unmut schon bei der Durchsicht der Protokolle auf. Wie hatte Bürgermeisterin Sabine Blümel den Ortschaftsräten ins Hausaufgabenheft geschrieben: „Was nicht im Protokoll steht, kann auch nicht erledigt werden.“ So weit, so gut. Doch wenn die gleichen Dinger immer wieder in den Protokollen auftauchen und nichts passiert, dann stößt das bei den Abgeordneten sauer auf.

Bestes Beispiel: In Pretzier gibt es Probleme mit den Straßenlampen. Und zwar zwischen dem Bäcker und einem Vier-Wohneinheiten-Block, der der Agrarerzeugergemeinschaft (AEG) Pretzier gehört. Dort sind gleich drei Lampen kaputt. Das hatten die Pretzierer schon Anfang Dezember gemeldet und zur Antwort bekommen, dass dies bis Weihnachten geregelt sein soll, resümierte Herbert Schulze. Bis Montag war immer noch nichts geschehen. Allerdings würden die Anwohner bei AEG-Chef und Ratsherrn Frank Pieper fast täglich über die dunkele Gefahrenstelle klagen, besonders wegen der Kinder. Er selbst habe dort schon Beinahe-Unfälle beobachtet, berichtete der Ratsherr. Der Bürgermeister sieht dort das Wohl und das Leben seiner Einwohner gefährdet und blickt zornig in Richtung Stadt.

Rat: Jetzt schon ausschreiben

Das nächste Problem: die Krähen auf dem Parkplatz an der B 190. Schulze wie die Anwohner klagen über die „enorme Lärm- und Dreckbelästigung“. Niemand traue sich wegen des herabfallenden Kotes und der trockenen Äste, die zu Boden fallen, dort noch sein Auto abzustellen. Ein Problem, dass schon Jahre existiert.

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Die Krähenplage in Pretzier hält schon seit Jahren an. Kot und Äste fallen auf die Autos. © Zahn, Lydia

Ebenso wie jenes mit dem Teich hinter der Feuerwehr. In diesem hat sich schon vor einigen Jahren alles mögliche Getier angesiedelt, und die Wasserfläche ist so gut wie zugewachsen. Besonders in den warmen Monaten stinkt es den Nachbarn dort erbärmlich. Die Stadt wollte etwas tun. Nun hat der Ortsbürgermeister einen Brief vom Bauamt bekommen. Vor Oktober solle erst einmal nichts geschehen, man wolle so lange sehen, wie sich Frösche und Fische dort entwickeln.

„Die Ausschreibung hätte wenigstens schon laufen können“, schüttelten die gestandenen Ratsleute die Köpfe. Denn je später im Jahr ausgeschrieben werde, desto teurer werde es, wissen sie noch aus ihren Erfahrungen, als Pretzier eine eigenständige Gemeinde war. Was den Bürgermeister besonders ärgert: Die Stadt hätte die Anwohner informieren müssen, dass diese noch einen Sommer mit dem Gestank leben müssen, weil erst im Oktober Maßnahmen geplant sind.

Noch mehr Ärger: Die Avacon Connect, die demnächst Pretzier komplett ans Glasfasernetz anschließen will, hat bereits Probeschachtungen und Erkundungen vorgenommen. Darüber sei er weder informiert noch hinzugerufen worden, machte Schulze sich Luft.

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Die Pretzier Grundschule soll saniert werden. Nach den Osterferien – so hat Ortsbürgermeister Herbert Schulze in Erfahrung bringen können – ist der Umzug geplant. © Zahn, Lydia

Keine Infos zur Grundschule

Zur geplanten Schulsanierung hat der Ortschef ebenfalls keine Informationen bekommen. Inzwischen hat er aber in Erfahrung bringen können, dass die Pretzierer Grundschüler nach den Osterferien in die Container-Schule am Mehrgenerationenhaus in Salzwedel umziehen und dort bis Jahresende bleiben sollen.

Voraussetzung ist, dass die Lessing-Grundschule in Salzwedel bis dahin fertig wird. Denn noch hocken deren Kinder schon über die geplante Zeit hinaus in den Containern. „Es geht alles sehr schleppend“, informierte Herbert Schulze seine Ratsmitglieder. Der Umzug der Schüler soll schrittweise erfolgen, hat er gehört. Wann und wie?, das hat er noch nicht erfahren.

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