Kein Klimawandel im Rathaus

Pretzierer Eigentümer: Amtsenthebung der Bürgermeisterin zugunsten der Energiewende

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Bernd Joachim Schulz aus Pretzier und weitere 50 Landeigentümerfamilien ärgert, dass die Energiewende in Salzwedel blockiert wird.

Pretzier – Atom- und Kohlekraftwerke schließen – Wind- und Solarenergie sollen die Lücke füllen.

„Und wie soll das praktisch funktionieren, wenn Windkraftanlagen in der Höhe und damit in ihrer Effizienz eingeschränkt und Solaranlagen nicht genehmigt werden?“, fragt der Pretzierer Bernd Joachim Schulz. Er macht sich für beides – Wind- und Solarenergie – stark und ist damit bislang an Stadtrat und Verwaltung gescheitert.

Denn das Repowering der Windkraftanlagen bei Pretzier wurde mit dem Flächennutzungsplan (F-Plan) abgelehnt. Hintergrund: Die Masse der dortigen Windräder ist in die Jahre gekommen, müssen erneuert werden. Kein Problem, die Investoren stehen Gewehr bei Fuß, wollen aber die neuste Technologie einsetzen. Die bislang auf 150 Meter beziehungsweise 85,5 Meter Höhe begrenzten Anlagen sollen durch 232 Meter hohe ersetzt werden. Und: Es sollen deutlich weniger Anlagen werden. „Entschieden leiser und mit der dreifachen Leistung des bisherigen Bestandes“, erläutert Bernd Joachim Schulz das Repowering-Vorhaben.

Doch der unlängst vom Stadtrat beschlossene F-Plan hielt trotz Protesten von 51 Landeigentümern an den alten Höhenbegrenzungen fest. „Solche kleinen Anlagen gibt es gar nicht mehr. Das führt das Windvorranggebiet ad absurdum“, ärgert sich Schulz. Und weiter: „So wird es mit der Energiewende nichts.“

Damit nicht genug: Der Pretzierer wollte auch auf Sonnenstrom setzen und beantragte entlang der Amerika-Linie zwischen Pretzier und Klein Gartz, eine Fläche für eine 6,5 Hektar große Solaranlage im F-Plan auszuweisen. Neben Konversionsflächen werden auch Areale entlang von Bahnstrecken für Solaranlagen vom Bund explizit empfohlen und gefördert. Auch dort scheiterte Bernd Joachim Schulz. Sein Ansinnen wurde abgelehnt. Der Grund: Im F-Plan ist das Gebiet als landwirtschaftliche Fläche ausgewiesen. „Das ist der Stand von 2005“, ärgert sich Schulz darüber, dass Entwicklungen verpasst werden.

„Wir kommen mit Bürgermeisterin Sabine Blümel und Bauamtsleiterin Martyna Hartwich nicht weiter und fordern deren Amtsenthebung“, schlägt Schulz im Namen der Landeigentümerfamilien drastische Töne an. Und setzt noch einen drauf: „Wir fühlen uns von der Bürgermeisterin verschaukelt. So, wie sie mit dem Stadtrat umspringt, kann sie das mit uns nicht machen.“

Und so, wie es bislang in Salzwedel laufe, werde es nichts mit der Energiewende, sind sich Schulz und seine Mitstreiter einig. Sie fordern endlich eine Wende im Rathaus.

Bernd Joachim Schulz will sich ob der Energiebremser in Rat und Verwaltung nun an die Öffentlichkeit, die Medien, Funk und Fernsehen wenden, „damit in Salzwedel endlich einmal etwas gelingt“.

VON HOLGER BENECKE

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