Rätseln über Abwehrmaßnahmen – aber kaum Spielraum

Krähen besetzen die Dorfmitte von Pretzier

In der Dorfmitte von Pretzier hat sich eine Krähenkolonie eingenistet.
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In der Dorfmitte von Pretzier hat sich eine Krähenkolonie eingenistet. Weil die Vögel viel Lärm und Dreck machen, gibt es Diskussionen um Gegenmaßnahmen. Dafür gibt es allerdings wenig Spielraum.
  • Jens Heymann
    vonJens Heymann
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Laut krächzen die Krähen in der Pretzierer Dorfmitte und verbreiten damit depressive Herbststimmung. Immer wieder sind Vögel aufgebrochen, um zu den Bäumen an der Grundschule zu fliegen und sich ein paar Zweige für den Nestbau zu holen. Vor allem aber sind Pflaster, Büsche und Straße mit Kotflecken übersät. Und wer weiß, ob nicht manche Flugbombe einen ahnungslosen Passanten getroffen hat.

Pretzier – Das Krähen-Problem ist mittlerweile in der örtlichen Politik besprochen worden. Vor Wochen war der Ortschaftsrat zuletzt zusammengekommen; die Krähen waren ein Randthema. Denn wie mit den störenden Tieren umzugehen sei – darauf gab es keine Patentlösung.

Die hat auch die Kreisverwaltung nicht parat und verweist sogleich ans Landesverwaltungsamt in Halle. Krähen sind demnach eine wichtige Sache, die von höherer Stelle geregelt wird.

Aber was sagt die Behörde aus der Saalestadt? Zunächst einmal, dass Saatkrähen eine besonders geschützte Art sind. Deshalb seien das Stören und die Nestentnahme grundsätzlich verboten. Ausnahmen erteile die Obere Naturschutzbehörde.

Verwegene Pläne in Pretzier, mit Knallklappen die Tiere nachhaltig zu ärgern oder gar die Bäume zu fällen, wären also vor diesem Hintergrund nur von kurzfristigem Erfolg, hätten aber auf jeden Fall ein juristisches Nachspiel. Immerhin: Dies war vom Pretzierer Rat auch nicht ernst gemeint; die besonderen Bestimmungen bei Krähen sind den Räten durchaus bewusst.

Zurück zum Landesverwaltungsamt: Gegen Saatkrähen darf nur vorgegangen werden, wenn beispielsweise die Gesundheit von Menschen gefährdet ist. Oder sich die Nester in der Nähe sensibler Bereich befinden, etwa Gräber und Kinderspielplätze. Im konkreten Pretzierer Fall, wo es im Wesentlichen einen Parkplatz betrifft, wäre es zu prüfen, heißt es vom Amt aus Halle. Weil die Brutzeit der Krähen bereits begonnen hat und sich eventuell schon Eier in den Nestern befinden, „sind Vergrämungsmaßnahmen in dieser Saison ausgeschlossen“.

Das Vertreiben von Saatkrähen ist nicht einfach. Möglicherweise müssen Maßnahmen über mehrere Jahre angewendet werden, schreibt das Landesverwaltungsamt. Manchmal haben sich die Kolonien dann sogar geteilt.

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