„Ich weiß, wo Sie wohnen!“

Postbote Thomas Klett kennt seit 25 Jahren fast jeden Salzwedeler und dessen Adresse

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Thomas Klett ist seit einem Vierteljahrhundert Postbote. Wenn er sagt „Ich weiß, wo Sie wohnen!“, dann ist das keine Drohung, sondern eine Garantie für prompte Zustellung.

Salzwedel. Wissen Sie, wo die Straße Am Pulverturm in Salzwedel ist? „Hinter Toyota den Plattenweg rein, ganz am Ende ist noch ein Gehöft – Am Pulverturm 7.“ Thomas Klett antwortet wie aus der Pistole geschossen.

Der 42-Jährige hat gerade sein 25-jähriges Dienstjubiläum bei der Deutschen Post gefeiert und kennt fast jede Adresse in Salzwedel und Umgebung aus dem Kopf. Er findet sich auf Sankt Pauli ebenso zurecht – allerdings nur an der gleichnamigen Straße in Cheine – wie in der VEG-Siedlung. Und nicht nur das. Klett weiß auch, wer dort wohnt. Der Postbote ist ein wandelndes Adress- und Branchenbuch.

„Ich springe auf 17 von 25 Touren. Da ist es schon hilfreich, wenn man gleich weiß, wo man hin muss“, sagt er bescheiden. Ein besonderes System hat er nicht – er merkt sich einfach alles. Zu „alles“ gehört auch, dass er von einem Großteil seiner Kunden auch weiß, welches Auto sie fahren und wo sie arbeiten. „So kann ich ihnen, wenn sie nicht zu Hause sind, das dringend erwartete Paket auch auf der Arbeit vorbeibringen, wenn diese auf meiner Tour liegt. Oder ich gebe Lichthupe, wenn ich sie mit dem Auto unterwegs treffe“, ist der 42-Jährige Brief- und Paketzusteller immer darauf bedacht, dass er möglichst schnell liefert.

Salzwedel, Püggen, Kuhfelde, Langenapel, Klein Gartz ... Thomas Klett hat fast alle Adressen seiner Kunden im Postleitzahlenbereich 29410 bis 20416 im Kopf. Außer im Diesdorfer Bereich. Wenn er dort aushelfen muss, kann es schon mal schwierig werden.

Vor allem in Texas, wie die Gegend um Höddelsen nicht ohne Grund genannt wird. „Nach einer Adresse brauchst du dort auch nicht zu fragen – am besten gehts mit dem Namen. Dort kennt noch jeder jeden“, schmunzelt Klett.

Seit dem 1. September 1990 – also kurz vor dem Tag der Deutschen Einheit – ist der Postler mit Leib und Seele dabei. Und hat so manches erlebt. Auch mit dem Klassiker: Postboten und Hunde. „Ich bin allerdings nur einmal richtig gebissen worden – das war so eine kleine durchgekratzte Fußhupe. Die ist mir gleich an den Oberschenkel gesprungen.“ Meistens seien die kleinen Hunde die schlimmsten. Doch Klett musste auch schon vor großen Kläffern flitzen. „Aber ich habe gewonnen – meine Autotür stand offen.“

Und „wenn der Postmann zweimal klingelt“? Auch das hat Klett schon erlebt. „Moment, ich muss mir erst mal was anziehen“, hat eine Frau durch die Sprechanlage zu Thomas Klett gesagt. „Och, schade, habe ich da gedacht.“ Nackt hat ihm in den 25 Jahren nur einmal ein Mann die Haustür geöffnet: „Ich wollte bloß noch die Unterschrift haben und weg“, sagt der Postler mit einem Gesichtsausdruck, als hätte er eben in eine postgelbe Zitrone gebissen.

Apropos essen: „Manchmal gibts auch ein Stück Kuchen oder Kostproben von anderen Leckereien“, freut sich der Salzwedeler, dass sich viele Menschen noch über den Postboten freuen.

Von Holger Benecke

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