Unternehmenssitz real nicht existent

Polizei warnt: Dubiose Firma streckt Fühler in der Altmark aus

Rita Cochanski glaubt, an eine Betrügerfirma geraten zu sein, die andernorts schon mehrfach in Verruf geraten ist. Gestern hat sie Anzeige erstattet.
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Rita Cochanski glaubt, an eine Betrügerfirma geraten zu sein, die andernorts schon mehrfach in Verruf geraten ist. Gestern hat sie Anzeige erstattet.

Altmark – Eine dubiose Steinreinigungsfirma, die andernorts mehrfach in Verruf geraten ist und vor der gewarnt wird, hat dieser Tage die Altmark auserkoren: Letzte Woche gab sie auf Flyern an, ihren Sitz in Osterburg zu haben, diese Woche in Gardelegen.

In beiden Städten gibt es die Firma an den besagten Standorten nicht.

Rita Cochanski hat einschlägige Erfahrungen in dieser Sache gemacht. Die Fleetmarkerin erstattete gestern Anzeige bei der Polizei in Salzwedel. Ihr ist es wichtig, andere zu warnen.

Alles sollte schnell gehen

Die Fleetmarkerin hatte den Werbeflyer von ihrem Nachbarn erhalten. Darauf zu sehen sind Vorher-Nachher-Fotos von Terrassen, Dächern, Fassaden und Pflasterarbeiten. Geworben wird mit einer Sommeraktion – aktuell gibt es 30 Prozent Rabatt.

Die Westaltmärkerin hatte schon länger vor, ihr Dach reinigen zu lassen. Sie rief bei der Firma an. „Der Mann wollte gleich an dem Abend vorbeikommen“, erinnert sie sich. Alles sollte schnell gehen, berichtet sie weiter. Cochanski machte einen Termin zur Vorbesprechung aus. Dabei ging es zunächst um den Preis. 8900 Euro sollte die Reinigung von Dach und Terrasse kosten. Das erschien Rita Cochanski eindeutig zu viel. „Dann fragte mich der Mann plötzlich, wie viel das denn kosten soll.“ Man habe sich schließlich auf 5000 Euro geeinigt. „Über diesen Deal sollte ich aber mit niemandem reden“, resümiert die Fleetmarkerin, und das kam ihr komisch vor: „Da wurde ich dann hellhörig.“ Die Arbeiten sollten schon am nächsten Morgen um 8 Uhr beginnen. Rita Cochanski war verwundert, dass so schnell ein Termin möglich war, „immerhin sagte der Mann, dass die Firma so viel zu tun hat“.

Sie sprach mit ihrem Nachbarn und Bekannten und sagte den Termin schließlich ab. „Daraufhin erklärte der Mann ungehalten, dass das mein größter Fehler sei und ich nie wieder so ein günstiges Angebot bekomme“.

Der Fleetmarkerin ließ die Sache dennoch keine Ruhe. Sie fuhr nach Osterburg, wo die Firma angeblich ihren Sitz hat. Die Adresse gab es, von der Firma keine Spur. Der Vermieter des Gebäudes bestätigte ihr, dass die Firma dort keine Räume gemietet habe. Die AZ rief unter der angeblichen Gardelegener Firmennummer an, woraufhin sich „Lollo“ meldete. Darauf angesprochen, dass es die Firma am angegebenen Ort gar nicht gibt, sagte der Mann in gebrochenem Deutsch: „Ich will neu aufmachen, der Vermieter hat mich rausgeschmissen.“ Und weiter: „Musst du nicht anrufen, wenn du nichts willst.“

Wenigstens 50 Euro für die Fahrtkosten

Zurück zu Rita Cochanski: Der Mann, mit dem sie gesprochen hatte, rief sie nochmals an, wollte wenigstens das Pflaster reinigen. Die Fleetmarkerin wollte ihn loswerden und sagte, dass sie dafür kein Geld habe. „Er schlug dann vor, dass ich jeden Monat etwas überweisen könnte.“ Kurze Zeit später klingelte ihr Telefon erneut, diesmal forderte der Mann Rita Cochanski auf, für die Fahrtkosten „wenigstens 50 Euro zu überweisen“. Immerhin sei er 80 Kilometer gefahren. Von Osterburg nach Fleetmark ist eine Strecke aber nur 30 Kilometer lang. Wahrscheinlich kam der Mann gar nicht aus Osterburg: Sein Wagen trug ein Wiesbadener Kennzeichen. Rita Cochanski beendete das Telefonat: „Von mir bekommen Sie keinen Cent.“

Laut Ordnungsamt der Stadt Gardelegen hat die Firma ein Gewerbe angemeldet. Beschwerden seien bei der Behörde bislang nicht eingegangen. Auch bei der örtlichen Polizei liegen (noch) keine weiteren Anzeigen vor. Die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt ist in dieser Sache bislang nicht von Kunden involviert worden.

In anderen, zum Teil an die Altmark grenzenden Gegenden mahnte die Polizei in der jüngeren Vergangenheit in Zusammenhang mit Steinreinigung häufiger vor „dubiosen Angeboten“, vergangene Woche erst die Polizeiinspektion Lüneburg.  red

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