Auf Kurs Nordwest in die Freiheit

Peter Döbler schwamm 1971 fast 50 Kilometer durch die Ostsee

Dr. Peter Döbler
+
Dr. Peter Döbler sitzt im Garten des Hotels „Siebeneichen“ in Salzwedel und präsentiert das Cover des Buches „Kurs Nordwest“, das von seiner Flucht aus der DDR handelt. Döbler schwamm am 25. Juli 1971 rund 45 Kilometer durch die Ostsee in die Freiheit.
  • Christian Reuter
    VonChristian Reuter
    schließen

Der Arzt Peter Döbler steht 1994 auf den Kapverden an einer Strandbar. Er kommt mit einem anderen Deutschen ins Gespräch. Dem fällt sein Tonfall und seine Geschichte auf. „Dann müssen Sie Peter Döbler sein“, sagt der Mann. Es war der Einsatzleiter der Kampfschwimmer, die ihn in der Ostsee, an der Grenze zwischen DDR und BRD, gesucht hatten.

Mit dieser Szene beginnt das Buch „Kurs Nordwest“ von Rob Lampe, das am 6. September erscheint. Es handelt von der spektakulären Flucht von Peter Döbler über die Ostsee, von Kühlungsborn nach Fehmarn, rund 45 Kilometer. Diese Strecke schwamm der Arzt im Sommer 1971, um in die Freiheit zu gelangen.

Zehntausende Menschen sind in 40 Jahren geflohen oder haben es versucht. Im Kofferraum, mit dem Zug, im Heißluftballon oder mit dem Schlauchboot. Von über 5600 Fluchtversuchen über die Ostsee waren nur etwa 900 erfolgreich, die Mehrzahl endete hinter Gittern. Für hunderte wurde die Ostsee zum Grab.

Peter Döblers Flucht scheiterte vor allem deshalb nicht, weil er sich akribisch vorbereitete. Doch warum nahm er diese ungeheuren Strapazen überhaupt auf sich?

Peter Döbler im Sommer 1971 mit der Ausrüstung, die er bei seiner Flucht aus der DDR über die Ostsee trug. Das Foto wurde einige Tage später von einer Illustrierten nachgestellt.

Peter Döbler, 1940 in Rostock geboren, wollte Medizin studieren, durfte es aber nicht, trotz eines Notenschnitts von 1,6. „Ich sollte mich erst mal gesellschaftlich bewähren, hieß es. Aber der wahre Grund war, dass mein Vater als Steuerberater gearbeitet hat und damit in den Augen des Staates ein Kapitalist war“, erinnert sich Döbler zurück.

Doch noch innerhalb der Immatrikulationsfrist starb sein Vater an Krebs, womit sich der Status des Sohnes geändert hatte. „Dass erst mein Vater sterben musste, bevor ich studieren konnte, das habe ich dem Staat nie verziehen“, erzählt der heute 81-Jährige verbittert.

Sein Medizinstudium beendete er 1966, noch im gleichen Jahr heiratete er seine Frau, die er beim Studium kennenlernte. 1967 wurde der gemeinsame Sohn geboren. Das Glück schien perfekt. War es aber nicht.

Döbler: „Wir bekamen keine Wohnung, deshalb nahm ich eine Stelle als Schiffsarzt beim Fischkombinat an.“ Was sich vielleicht abenteuerlich anhört, hatte allerdings bis zu drei Monate lange Reisen zur Folge, mit eben so langer Trennung von Frau und Kind. Dann erhielt er eine Stelle als Chirurgie-Assistent im Rostocker Südstadt-Klinikum, dem ersten Krankenhausneubau der DDR.

„Dort ging der politische Druck los. Ich konnte meine Meinung nicht zurückhalten und habe mich mehrfach beschwert“, sagt Döbler. Er habe durchschnittlich 80 Stunden in der Woche gearbeitet, für 1,70 Mark die Stunde. Seine Facharztausbildung war in Gefahr. „Wenn Sie unbedingt einen weißen Kittel tragen wollen, werden Sie doch Maler“, sagte sein Chef zu ihm damals. „Das hat mir den letzten Rest gegeben und mich wütend gemacht. Von da an habe ich mich auf die Flucht vorbereitet.“

Peter Döbler trainiert, er schwimmt in der Warnow, krault nach Warnemünde oder in der Müritz. Bis zu 20 Kilometer am Tag. Er besorgt sich Flossen, bastelt sich auch welche für die Hände, weil die nicht sehr groß sind. Er studiert Seekarten, erkundigt sich bei Grenzsoldaten, die er in der Klinik behandelte, nach den Patrouillen ...

Wer mehr über die Flucht von Peter Döbler aus der DDR erfahren will, dem sei das Buch „Kurs Nordwest“ ans Herz gelegt, das am 6. September erscheinen wird. Am 9. September ist eine Lesung im Hotel „Siebeneichen“ in Salzwedel geplant.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare