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Personalmangel im Krankenhaus Salzwedel: Nun gehts vom Kreißsaal auf die Kinderstation

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Von: Holger Benecke

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Nach der Entbindung bleiben die Mütter nicht mehr wie gewohnt in der Geburtsklinik, sondern werden auf die Kinderstation gebracht. © dpa

Im Altmark-Klinikum in Salzwedel werden die frisch Entbundenen gleich auf die Kinderstation gebracht. Die Geburtsklinik musste vorübergehend wegen Personalmangels (durch Corona) geschlossen werden musste.

Salzwedel – Karlotta Sophie Krüger wurde am vergangenen Mittwoch im Salzwedeler Altmark-Klinikum von ihrem zweiten Kind entbunden. Anschließend wurde sie auf die Kinderstation gebracht. Aufgrund von Personalmangel sei die Geburtsklinik geschlossen, wurde ihr erzählt.

„Die Geburtsklinik wurde nicht geschlossen. Die Entbundenen werden lediglich vorübergehend in der Klinik für Kinderheilkunde und Jugendmedizin untergebracht“, so die Antwort der Pressesprecherin der Altmark-Klinikum gGmbH, Ivonne Bolle, auf eine AZ-Nachfrage.

Weiter heißt es: „Dieses Vorgehen gehört nicht zur Umsetzung des Strategiekonzeptes ,Wir für unsere Region‘ und der dazugehörigen Zielbildentwicklung des Altmark-Klinikums, sondern ist eine kurzfristige Personalumsetzungsmaßnahme, um die medizinische Grundversorgung von Patientinnen und Patienten aufrechtzuerhalten.“ Genannte Personalumsetzung kommt vom derzeit herrschenden Personalmangel, der aus der derzeitigen Spitzeninzidenz herrühre.

Nach AZ-Informationen hatte es die personell am schwächsten besetzte Station, die Geburtsklinik, getroffen. Vorerst noch die nächsten Wochen sollen die frisch entbundenen Patientinnen auf die Kinderstation gebracht werden, erfuhr die AZ weiter.

„Dort fühlte ich mich nicht wirklich betreut“, sagte Karlotta Sophie Krüger. Zwar hätten die Mitarbeiter dort aufopferungsvolle Arbeit geleistet, aber dennoch auf sie den Eindruck gemacht, dass ihnen die spezielle Ausbildung für frisch Entbundene fehle, begründete Krüger.

„Auf der Kinderstation werden die Entbundenen von Kinderkrankenschwestern betreut, die die Expertise der sogenannten großen Krankenpflege inklusive der Frauenheilkunde besitzen“, meint die Pressesprecherin. Und unterstreicht: „Bei Notwendigkeit können die Hebammen mehr als zwei Besuche auf ärztliche Anordnung durchführen und abrechnen lassen.“

Auch ein Punkt, den Karlotta Sophie Krüger angesprochen hatte. Nämlich den, dass die Hebammen nur zwei Besuche bezahlt bekämen. Die von der Pressesprecherin genannte „ärztliche Anordnung“ müsste nun wieder Besonderheiten voraussetzen. Für die junge Mutter waren das Verlegen nach der Geburt und das Betreuen auf der Kinderstation nicht optimal. Da es ihr zweites Kind ist, kann sie sich auf die Erfahrungen, die sie bei ihrer ersten Geburt gemacht hat, stützen.

Es bleibt das Personalproblem, dass das Klinikum auf die hohe Inzidenz der vergangenen Wochen im Altmarkkreis zurückführt. „Spitzenwerten von über 3200“, führt Ivonne Bolle aus, „das hat sich im Altmark-Klinikum sehr belastend auf die Personalbesetzung ausgewirkt.“ Rund 30 Prozent der Mitarbeitenden seien im Pflegebereich aufgrund von akuten Erkrankungen und Quarantäne ausgefallen.

Generell würden Pflegefachkräfte für die Standorte Salzwedel und Gardelegen „händeringend gesucht“. Auf der Karriereseite der Klinikums-Internetpräsenz seien elf offene Stellenausschreibungen für die Kategorie Pflege und Fachtherapie zu finden, schildert die Pressesprecherin die dramatische Situation.

„Wir sprechen hier vor einer außergewöhnlichen Her-ausforderung und Belastung, der sich vor allem die Pflegefachkräfte in den vergangenen Tagen und Wochen stellen mussten“, verweist Bolle auch auf die anderen Stationen und Kliniken des Krankenhauses Salzwedel, die „einen hohen Anteil von Notfallpatienten“ absichern mussten. Und begründet damit den „kurzfristigen Stationswechsel von Personal und Patientinnen“. Eine Entspannung werde in zwei bis drei Wochen erwartet.

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