Mehr Arbeit für Ambulante Pflegedienste / Beruf des Krankenpfleger leidet noch unter Vorurteilen

„Patienten – keine Kunden!“

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Susan Gebühr (23) gibt einer Patientin eine Insulinspritze. Ein Freiwilliges Soziales Jahr ebnete der jungen Frau den Weg zum Beruf der Altenpflegerin. „Ich empfehle Schulabgängern so ein Berufsfindungsjahr als Test“, rät Pflegedienstleiterin Anke Landmann.

Beetzendorf. Es ist stockdunkel in Peertz. Um 7. 30 Uhr parkt Susan Gebühr ihren Wagen am Bordstein, steigt aus und schließt eine Haustür gegenüber auf. Dann fällt der erste Lichtschein durch ein Fenster auf die Straße. Nach wenigen Minuten kommt sie zurück.

An diesem Ort ist ihre Aufgabe schnell erledigt. „Ich musste nur die Tabletten für eine Woche vorsortieren“, erzählte die 23-jährige Mitarbeiterin eines ambulanten Pflegedienstes.

Immer mehr Senioren in der Altmark brauchen Unterstützung durch ambulante Pflegedienste. Altenpfleger übernehmen Aufgaben, die von Angehörigen nicht geleistet werden können, da sie bereits am frühen Morgen zum weit entfernten Arbeitsplatz fahren oder gar nicht mehr in der Region wohnen. Dann muss die Pflegerin Tabletten bereitstellen und auf die Einnahme achten, Kompressionsstrümpfe anlegen oder die lebenswichtige Insulinspritze geben. Nicht zu unterschätzen ist dabei der menschliche Kontakt. „Man freut sich über das Lächeln“, sagt Patientin Charlotte Jürges in Bandau und genießt sichtlich das kurze Gespräch mit ihrer Pflegerin.

Aufwendig ist die Dokumentation aller pflegerischen Tätigkeiten bei jedem Patienten.

Bei der morgendlichen Fahrt rund um Beetzendorf fällt auf, dass gar kein Mann Hilfe braucht. „Das werden aber mehr“, erklärt Anke Landmann, Pflegedienstleiterin beim Sozial-Centrum Altmark in Klötze. Sie koordiniert die Touren für ihre Mitarbeiter. „Insgesamt zehn Strecken fahren wir täglich“, berichtet Landmann. Für Susan Gebühr führt die Fahrt von Klötze nach Peertz, Poppau, Bandau, Beetzendorf und Apenburg – und das bei jedem Wetter. Auch wenn es im Plan bestimmt nicht vorgeschrieben ist, es bleibt bei jedem Patienten die Zeit für ein kurzes Gespräch. „Das ist sehr wichtig“, weiß ihre Pflegedienstleiterin und betont auch die Wortwahl beim Sozial-Centrum: „Wir sprechen hier von Patienten und nicht von Kunden.“

Die Aufgaben der Altenpfleger sind sehr vielfältig. Sie brauchen viel Einfühlungsvermögen, denn nicht jeder Neupatient kann sich zum Beispiel auf Anhieb damit arrangieren, dass eine zunächst fremde Person täglich ins Haus kommt. Auch der Pflegebedarf ist von Patient zu Patient sehr unterschiedlich.

Dabei leidet der Beruf des Altenpflegers immer noch unter Vorurteilen. „Früher hieß es: Das kann ja jeder“, erzählt Anke Landmann. Erst langsam bekämen ihre Mitarbeiter mehr Wertschätzung. Susan Gebühr absolvierte ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei der Einrichtung in Klötze und bekam danach das Ausbildungsangebot.

„Die Anerkennung des Berufes muss steigen“, betont Landmann. Diese müsse sich auch im Gehalt ausdrücken, doch im Rahmen der Pflegeversicherung werde jede Leistung nach strengen Kriterien abgerechnet. Daneben steigt allerdings der bürokratische Aufwand. Jeder Besuch wird mit Uhrzeit, Datum und Tätigkeit protokolliert. In diesem Fall steht die Pflegedienstleiterin dem medizinischen Dienst der Krankenkassen kritisch gegenüber. Dieser prüft einmal im Jahr die Qualität jedes Pflegedienstes. „Da machen die einen Patientenbesuch mit und studieren nachher nur alle schriftlichen Dokumentationen“, sieht Landmann ein Defizit.

Auch wenn die Noten für das Sozial-Centrum in Klötze gut ausfallen, der wirkliche Lohn ist für die Mitarbeiter ein anderer: „Ich freue mich, wenn sie morgen wiederkommen“, sagte kürzlich eine versorgte Seniorin zu ihrer Pflegerin.

Von David Schröder

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