Henningen: Keine Ausnahme für die Anwohner

Ordnungsamt will wichtige Wirtschaftsstraßen weiterhin nicht öffnen

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Das Schild liegt schon fast im Graben: Neben den Wirtschaftswegen sollen in der Altgemeinde Henningen auch die Brücken in den Fokus rücken.

Hestedt / Henningen – Die Landbevölkerung darf die Landwege auch weiterhin offiziell nicht nutzen. Diese Antwort aus dem städtischen Ordnungsamt präsentierte Henningens Ortsbürgermeister Holger Schmidt den versammelten Einwohnern während der Ratssitzung in Hestedt.

Vorausgegangen war eine Anfrage ans Rathaus, die zahlreichen und für viele auch wichtigen landwirtschaftlichen Wege für den allgemeinen Straßenverkehr zu öffnen.

„Im Sperrgebiet zu DDR-Zeiten haben wir teilweise freier gelebt“, kommentierte Ratsherr Rainer Bischkopf die Wegesituation insbesondere für Andorf und Hestedt. Von dort existieren Verbindungen nach Henningen, Osterwohle und zur B 71 – nur genutzt werden dürfen sie eigentlich nicht. Bischkopf verdeutlichte die Lage anhand eines Beispiels: „Wenn jemand in Andorf bauen will, kann er sich theoretisch keine Baumaterialien durch einen 40-Tonner liefern lassen.“

Damit spielte er nicht nur auf die landwirtschaftlichen Wege an, sondern auch auf die Brücken, deren Tragfähigkeit zumindest auf dem Papier nicht für solchen Schwerlastverkehr ausreicht. In diesem Punkt will Ortsbürgermeister Schmidt noch einmal bei der Verwaltung nachhaken, inwieweit dort Ausbaupläne gediehen sind.

Zurück zu den landwirtschaftlichen Wegen: Besonders die kurze, schnelle Verbindung Hestedt-B 71 erfreut sich anhaltender Beliebtheit. Die Aussage aus dem Ordnungsamt ist klar: Es handele sich um einen Wirtschaftsweg und keine Straße nach dem Straßenrecht.

Das Befahren dieser Strecke sei grundsätzlich untersagt, ob dort Schilder stehen (die meistens schnell Vandalismus zum Opfer fallen) oder nicht. Eine generelle Ausnahme, wie vom Ortschaftsrat angeregt, sei nicht genehmigungsfähig, aber auch nicht kontrollierbar, hieß es aus dem Ordnungsamt. Darüber hinaus seien alle Orte durch öffentliche Straßen erschlossen.

„Ich gehe damit noch nicht konform, dass das der Schlusspunkt ist“, erklärte Stadtrat Volker Kreitz. So einfach soll die Sache nicht ad acta gelegt werden.

Ein häufiges Argument in dieser Angelegenheit: Die damalige Gemeinde hat den Ausbau der Wege mitfinanziert. Die Entscheidung für landwirtschaftliche Wege sei zu jener Zeit aus Kostengründen und aus Rücksicht auf die Landeigentümer (Stichwort: Anliegerbeiträge) getroffen worden, hieß es.

Ein Umwidmen der landwirtschaftlichen Wege zu öffentlichen Straßen dürfte indes schwierig sein. Denn oftmals stecken dort zweckgebundene Fördermittel drin, und auch die Haftungsfrage müsste geklärt werden.

VON JENS HEYMANN

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