Gaetano Caliva geht mit dem Aus der Italiener kühl um

„Ohne Nachwuchs keine Fußball-WM“

Gaetano Caliva stammt aus Sizilien und ist seit Jahren ein bekannter Gastronom in Salzwedel. Zum Fußball halte er Abstand, seit dieser mehr und mehr zum Geschäft geworden sei.
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Gaetano Caliva stammt aus Sizilien und ist seit Jahren ein bekannter Gastronom in Salzwedel. Zum Fußball halte er Abstand, seit dieser mehr und mehr zum Geschäft geworden sei.
  • Jens Heymann
    VonJens Heymann
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Salzwedel. Gastwirt Gaetano Caliva ist italienisches und hansestädtisches Original zugleich. Nur bei einer Sache zeigt er sich als gebürtiger Südländer erstaunlich unemotional: Fußball.

Selbst in der größten Tragödie des italienischen Ballsports seit 1958 – denn in jenem Jahr hatte die Nationalmannschaft des Landes südlich der Alpen zuletzt eine Fußball-Weltmeisterschaft verpasst. Wenn es nächstes Jahr zur WM nach Russland geht, sind die Italiener allenfalls Zuschauer.

„Ich habe mit Fußball abgeschlossen, seit in den Teams der Liga nur noch zwei bis drei Italiener spielen“, erläutert der Gastwirt dann doch. Und geht gleich in die Analyse: „Das Ausscheiden der Fußballnationalmannschaft in der Qualifikation war zu erwarten. Der Nachwuchs wird nicht mehr gefördert. Ohne Nachwuchs keine WM.“ Also dieselbe Situation, die Deutschland zur Jahrtausendwende durchschritten hat? – „Genau“, stimmt der Mann aus Palermo, Sizilien, zu.

In seinem Restaurant an der Westermarktstraße in Salzwedel spielen Pizza und Pasta die große Rolle; an Fußball scheint dort niemand so recht denken zu wollen. Keine italienische Fahne, kein Fernseher. Bis zur WM im kommenden Sommer mag sich noch einiges ändern, aber Gaetano Caliva stört sich grundsätzlich an dem, was aus dem Fußball geworden ist: ein einziges, großes Geschäft, eine Bühne.

„Bei 222 Millionen Euro für einen Spieler – da soll ich mich noch für Fußball interessieren?“, meint er und spielt dabei auf den spektakulären sowie zugleich heftig kritisierten Transfer des Brasilianers Neymar vom FC Barcelona zu Paris Saint-Germain im Sommer an.

Dennoch: So ganz mag man dem Gastwirt die Gleichgültigkeit gegenüber dem italienischen Fußball nicht abnehmen. Gilt doch gerade die Nationalmannschaft in Italien als verbindendes Glied zwischen dem reichen Norden und dem ärmeren Süden. Denn dass die Squadra Azzurra bei einer WM nicht dabei ist, hat der 1968 geborene Restaurantbetreiber selbst noch nicht erlebt. Gaetano Caliva will nun zu seiner zweiten Heimat Deutschland halten.

Viel wichtiger als Fußball sei ihm ohnehin der 2. Dezember, wenn sein Sohn Gianluca in die Hansestadt kommt, um mit dem sizilianischen Liedermacher Pippo Pollina ab 20 Uhr im Kunsthaus zu musizieren. Dieser stammt nämlich auch aus Palermo – Heimat verbindet irgendwie doch.

Von Jens Heymann

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