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Salzwedel: Ohne die Ungeimpften geht es nicht – 305 Mitarbeiter in 89 Einrichtungen

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Von: Holger Benecke

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Der Personalmangel im Gesundheitswesen macht den Einrichtungen zu schaffen. Viele Mitarbeiter leisten dort seit Jahren Hervorragendes – auch ungeimpft und trotzdem verantwortungsvoll. © Heymann, Jens

Derzeit arbeiten 305 Menschen in 89 medizinischen Einrichtungen im Altmarkkreis, die noch nicht oder noch nicht ausreichend geimpft sind. Doch ohne ihre aufopferungsvolle Tätigkeit geht es nicht. Überall fehlt Personal.

Altmarkkreis Salzwedel – Neben den üblichen Frühjahrskrankheiten wie Husten, Schnupfen und Heiserkeit reden auch die immer noch hohen, wenn auch sinkenden Inzidenzzahlen ein gewichtiges Wort in den Krankenstatistiken mit. Besonders bei denen, die sich selbst um Kranke kümmern. Hinzu kommt die Impfpflicht im Gesundheitswesen, deren Mitarbeiter bis zum 16. März geimpft sein sollten.

Gegen das Gesetz gab es eine Klagewelle: Bis Februar waren es 74 Verfassungsbeschwerden von rund 300 Klägern. Ein Eilantrag beim Bundesverfassungsgericht gegen das Gesetz führte nicht zum Erfolg (wir berichteten). Das bedeutet jedoch nicht, dass die Sache vom Tisch ist, da die Impfpflicht grundsätzlich verfassungsmäßig ist. Das Hauptverfahren dazu steht noch aus.

Doch wie ist die Lage im Altmarkkreis? Speziell zu den beiden Krankenhäusern in Salzwedel und Gardelegen nennt die Pressesprecherin der Altmark-Klinikum gGmbH, Ivonne Bolle, auf AZ-Nachfrage konkrete Zahlen: „Nicht geimpfte Mitarbeitende sind im Klinikarbeitsalltag fest eingeplant. Laut Gesetzeslage und den Forderungen entsprechend wurden am 15. März insgesamt 113 Mitarbeitende, die nicht geimpft bzw. ihren jetzigen Status dem Arbeitgeber nicht nachgewiesen haben, an das Gesundheitsamt gemeldet.“

Für das gesamte Kreisgebiet kann Kreissprecherin Birgit Eurich Auskunft geben: „Über das Meldeportal des Landes Sachsen-Anhalt wurden dem Altmarkkreis Salzwedel bisher 305 Personen gemeldet, die nicht oder nicht vollständig gegen das Coronavirus geimpft sind.“ Und weiter: „Nach derzeitigem Stand haben sich 89 Einrichtungen aus dem Altmarkkreis Salzwedel registriert, bei denen mindestens ein Beschäftigter nicht oder nicht vollständig geimpft ist.“ Zugleich weist die Kreissprecherin darauf hin, dass die Meldungen aus den Einrichtungen noch nicht vollständig und damit noch nicht abschließend seien.

Bei den genannten Zahlen geht es konkret um im Gesundheitswesen Beschäftigte, unter denen immer noch großes Unverständnis und Unsicherheit herrschen. Unverständnis, warum gerade sie – selbst ungeimpft – in den vergangenen zwei Jahren unzählige Menschen durch die Pandemie und Krankheiten gebracht und diese aufopferungsvoll gepflegt haben, nun plötzlich seit dem 16. März eine Gefahr darstellen sollen. Unsicherheit, weil immer noch nicht ganz klar ist, wie ihr künftiger Arbeitsalltag aussehen soll. Ein sofortiger Arbeitsplatzverlust droht jedenfalls nicht.

Wiederum sind in der Umsetzung die kreislichen Gesundheitsämter als verlängerter Arm des Gesetzgebers vorgesehen. Kreissprecherin Birgit Eurich dazu: „Das Verfahren zum Vollzug des Paragrafen 20 a des Infektionsschutzgesetzes wird im Altmarkkreis Salzwedel gemäß der geltenden Erlasslage umgesetzt.“ Doch dieser Paragraf regelt bislang nur, wer wann wem was nachweisen muss, aber nicht, wie weiterhin verfahren wird.

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